Das Bundesverfassungsgericht will sich mit Gustl Mollath beschäftigen. Ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums sagte, dass aus Karlsruhe die Bitte um eine Stellungnahme eingegangen sei. Zuständig als Berichterstatter am Bundesverfassungsgericht im Fall Mollath ist einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung zufolge der Verfassungsrichter Peter Müller, der frühere Ministerpräsident des Saarlands.

"Wir werden die Frage unseres höchsten Gerichts schnell und umsichtig beantworten", sagte der bayerische Ministeriumssprecher. Besonders berücksichtigt werde dabei, dass Mollath schon seit sieben Jahren in der Psychiatrie untergebracht sei. Auch der Generalbundesanwalt wurde nach Informationen der Süddeutschen Zeitung um Stellungnahme gebeten. Beide Behörden haben bis zum 23. Juli Zeit, sich zu äußern.

Der Fall Mollath sorgt seit Monaten für bundesweites Aufsehen . Er war 2006 als paranoid und gemeingefährlich eingestuft und zwangsweise in eine Psychiatrie eingewiesen worden. Seine Frau hatte behauptet, dass er sie misshandele, was Mollath bestreitet. Als paranoid wurde er auf Veranlassung seiner Frau von einem Psychiater beurteilt, weil er auf ein Schwarzgeldsystem der HypoVereinsbank hingewiesen hatte, an dem seine inzwischen von ihm geschiedene Frau beteiligt gewesen war.

Ein im vergangenen Jahr bekannt gewordener interner Bericht der Bank bestätigte seine Vorwürfe zum Teil. Recherchen des Fernsehsenders ARD belegten außerdem, dass Mollaths Strafanzeigen gegen die Bank ignoriert worden waren und dass der Richter, der ihn in die Psychiatrie einwies, womöglich befangen war.

Der Freiburger Anwalt Michael Kleine-Cosack hatte im Januar 2012 Verfassungsbeschwerde gegen den Beschluss zur Unterbringung Mollaths in der Psychiatrie eingereicht und diese Beschwerde im Licht der neuen Erkenntnisse kürzlich erweitert. Er argumentiert, dass eine Unterbringung in der Psychiatrie nicht verhältnismäßig sei, da Mollath inzwischen von seiner Frau geschieden sei. Eine Wiederholung der unterstellten Misshandlungen sei unwahrscheinlich.

Dass Karlsruhe nun um Stellungnahmen bittet, wertet der Anwalt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung als Hinweis, dass das Verfassungsgericht "in der Causa notfalls selbst zu einer Entscheidung kommen" wolle.

Das Landgericht Regensburg prüft derzeit, ob Mollaths Fall neu verhandelt werden muss. Das Ergebnis der Prüfung soll in den kommenden zwei Monaten feststehen.