Nach dem Kentern eines Flüchtlingsbootes vor der Küste Indonesiens haben sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet. Drei Leichen wurden nach Polizeiangaben gefunden und 160 Menschen gerettet. Zunächst hatten Medien von bis zu 60 Toten berichtet.

Neuesten Angaben zufolge suchen die Küstenwache und Fischer aus der Region noch nach etwa 40 Vermissten. Die Überlebenden kamen nach Angaben der Polizei aus Bangladesch , Sri Lanka , Irak und dem Iran .  Die Flüchtlinge waren auf dem Weg nach Australien .

Das Schiff war in der Nacht zu Mittwoch vor der Küste der indonesischen Insel Java bei stürmischer See auseinandergebrochen. Von dem asiatischen Land aus versuchen jedes Jahr Tausende Flüchtlinge, in oft überladenen und nicht seetüchtigen Booten nach Australien zu gelangen. In diesem Jahr erreichten bereits mehr als 15.000 Flüchtlinge australisches Staatsgebiet, allerdings passieren auch viele Unfälle.

Im südlich gelegenen Australien ist das Thema derzeit besonders brisant , da in wenigen Wochen die Parlamentswahl ansteht. Die Regierung hat die Einwanderungspolitik in der vergangene Woche drastisch verschärft : Wer bei einem illegalen Einwanderungsversuch gefasst wird, soll niemals Aufenthaltsrecht in Australien bekommen. Die Asylsuchenden sollen stattdessen im Inselstaat Papua-Neuguinea angesiedelt werden. Die Ankündigung hatte scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen ausgelöst. 

Neuen Zündstoff gaben der Debatte am Mittwoch Vorwürfe eines früheren ranghohen Mitarbeiters eines Lagers auf der Insel Manus, die zu Papua-Neuguinea  gehört. Rod St George sagte dem australischen Fernsehsender SBS , in Papua-Neuguinea werden Flüchtlinge in den Aufnahmelagern gefoltert und vergewaltigt. "Ich habe niemals so notleidende, so hilflose und so hoffnungslose Menschen gesehen", sagte St George. In den Lagern fügten sich Menschen auch oft vor Verzweiflung selbst Verletzungen zu oder versuchten, sich umzubringen. Deshalb habe er auch seinen Dienst quittiert.

Australiens Innenminister Tony Burke bezeichnete die Angaben als "erschreckend". Er werde "in den kommenden Tagen" nach Manus reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen, sagte er im Radiosender ABC .