Bei einem der europaweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre sind im Nordwesten Spaniens mindestens 77 Menschen gestorben. Weitere 143 Menschen seien verletzt worden, teilten die Behörden mit. Ein Schnellzug war in der Pilgerstadt Santiago de Compostela im Nordwesten des Landes in einer Kurve aus den Schienen gesprungen und umgestürzt

Aus Ermittlerkreisen verlautete, der Zug sei viel zu schnell in eine Kurve eingebogen. Die Zeitung El Pais berichtete unter Berufung auf das Ermittlerumfeld, der Zug sei in der engen Kurve mehr als doppelt so schnell gefahren wie erlaubt. Die Bahngesellschaft Renfe und das staatliche Unternehmen Adif, das für die Schienen verantwortlich ist, erklärten, die Unglücksursache werde untersucht.

Die Katastrophe war das erste Unglück mit Toten auf einem Abschnitt des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Sie ereignete sich etwa drei Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof von Santiago. Die 13 Waggons des Zuges wurden auseinandergerissen und sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg. 

Der Unglückszug hatte sich auf der Fahrt von Madrid zur Küstenstadt El Ferrol im Nordwesten Spaniens befunden. Er war mit rund 220 Fahrgästen und Bediensteten besetzt gewesen. Am kommenden Wochenende hätte in Santiago de Compostela ein großes Fest zu Ehren des Heiligen Jakobs stattfinden sollen. Die Stadt sagte die Feierlichkeiten, die das wichtigste Fest des Jahres in der Pilgermetropole sein sollten, aufgrund des Zugunglücks vollständig ab.

An der Unfallstelle arbeiteten die ganze Nacht durch Rettungskräfte. Am frühen Morgen waren noch immer etwa 200 Einsatzkräfte auf der Suche nach möglichen Opfern in den Trümmern der Wagen. Zwei riesige Kranwagen waren an die Unfallstelle gebracht worden. Selbst in den frühen Morgenstunden verfolgten rund 200 Anwohner den Fortgang der Arbeiten, berichtete die spanische Nachrichtenagentur EFE. 

Ministerpräsident reist zum Unglücksort

Im Laufe des Tages will der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy , der aus Santiago stammt, an die Unfallstelle kommen und sich selbst ein Bild von der Katastrophe machen. Er sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid aus. "Ich möchte den Opfern des fürchterlichen Zugunglücks meine Zuneigung und Verbundenheit ausdrücken", sagte er. 

Papst Franziskus zeigte sich betroffen über das Bahnunglück. Der Papst sei über den Unfall informiert worden und im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer.