Die Nachricht von der Festnahme Miguel Ángel Treviños elektrisiert Mexikos Medien und mit ihr die vielen Millionen Leser: "Schlag gegen die Zetas" titelt die Tageszeitung El Universal, "Sie haben die Zetas enthauptet" schreibt Excelsior. Sie alle bejubeln den großen Fang: Auf einer kleinen Landstraße im Norden des Landes endete am Dienstag der Aufstieg Treviños zum Boss eines der gefährlichsten und mächtigsten Drogenkartelle der Welt.

Ein Hubschrauber der mexikanischen Sicherheitskräfte hatte den Pritschenwagen samt seiner wertvollen Fracht entdeckt: Der Chef von Los Zetas, sein Finanzmanager sowie ein Leibwächter gingen den Fahndern in Netz – ohne dass dabei ein einziger Schuss fiel, wie Regierungssprecher Eduardo Sanchez wenig später mit Stolz bestätigte.


Treviño begann seine kriminelle Karriere in einem Vorort von Dallas im US-Bundesstaat Texas. Seine familiären Verbindungen in die USA, einem der Hauptabsatzmärkte der mexikanischen Drogenkartelle, sollen Treviño geholfen haben, schnell innerhalb des Kartells Karriere zu machen.

Die Zetas sind eine Absplitterung des Golf-Kartells, die in den vergangenen Jahren zu einer der einflussreichsten kriminellen Organisationen Mexikos wuchs. Viele Mitglieder sind ehemalige Militärs, die bekannt sind für ihre Brutalität und Skrupellosigkeit im Umgang mit Gegnern und bei der Durchsetzung eigener Interessen.  

Treviño kultivierte seinen Ruf als sadistischer Mörder. Das Image eines kaltblütigen Folterers verschaffte ihm in den eigenen Reihen Respekt und flößte den Gegnern Angst ein. Unter anderem ließ er seine Opfer – darunter in Ungnade gefallene Kartellmitglieder, aber auch Polizisten, Journalisten oder Konkurrenten – in ein riesiges Fass stecken und bei lebendigem Leib verbrennen. Die mexikanische Presse nannte diese Praxis "Schmorbraten".

Erster großer Erfolg für Nieto

Für den neuen mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto ist die Festnahme Treviños ein erster wichtiger politischer Erfolg – vor allem, weil diese Verhaftung ohne Gewalt vonstatten ging. Sein Vorgänger Felipe Calderón hatte im Drogenkrieg auf eine militärische Strategie im Kampf gegen die Kartelle gesetzt und war dafür von Menschenrechtsorganisationen und Teilen der katholischen Kirche scharf kritisiert worden. Sie schätzen, dass es dabei mehr als 50.000 Tote gegeben hat.

Besonders betroffen von der Gewalt in Mexiko sind die vielen Tausend illegalen Einwanderer aus Mittel- und Südamerika, die versuchen, sich über Mexiko bis in die USA durchzuschlagen. Viele von ihnen gehen der Drogenmafia ins Netz. Frauen werden zur Prostitution gezwungen, Männer sollen als Drogenkuriere arbeiten. Weigern sich die verzweifelten Opfer, werden sie von der Mafia ermordet. Genau dies wird Treviño zur Last gelegt.