Den dumpfen Knall hörte Uwe H., als er gerade das Auto vor der Garage geparkt hatte. Erst dachte er, ein LKW sei in sein Haus gerast. Doch dann sah er, dass das Haus nebenan in Flammen stand, eine Wand war schon herausgesprengt: die Frühlingsstraße 26 in Zwickau.

Es war nachmittags am 4. November 2011. Auf der Straße lagen Trümmer. Darüber, sagt H., sei eine junge Frau gestiegen. Er kannte sie, sie wohnte in dem Haus. Nur ihren Namen wusste er damals nicht – es war Beate Zschäpe, mittlerweile angeklagt als Mitglied der mutmaßlichen Terrorgruppe NSU. Uwe H. war einer der letzten Menschen, die Zschäpe vor ihrer chaotischen Flucht durch Deutschland gesehen hatten.     

Am 28. Prozesstag versucht das Münchner Oberlandesgericht weiter, den Brand in der Frühlingsstraße aufzuklären. Dort, in der Wohnung des Trios, legte Zschäpe der Anklage zufolge Feuer. Sie habe damit Beweise vernichten wollen, nachdem sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Eisenach erschossen hatten.    

Mundlos und Böhnhardt mieden Augenkontakt

Noch nicht restlos geklärt ist, wie die Hauptangeklagte das Feuer entfachte. Mindestens drei Menschen trafen Zschäpe am Brandort: Uwe H. und seine Frau Antje, außerdem die Passantin Nadin R. Letztere hatte bereits am Vortag ausgesagt, diesmal stehen die H.s im Zeugenstand. Ihre Aussagen decken sich, sie bestätigen, dass Zschäpe am Nachmittag des 4. November in der Frühlingsstraße war.

Den Aussagen zufolge kam sie aus dem brennenden Haus gelaufen, in den Händen zwei Körbe mit ihren Katzen. Das hatte am Mittwoch Nadin R. aus Zwickau berichtet. Sie habe eine Frau getroffen und gerufen: "Hinter Ihnen brennt’s!" Diese habe sich umgedreht und erschrocken. Dann habe sie die Katzenkörbe abgestellt und gesagt, sie müsse nach ihrer Großmutter schauen, die sei noch im Haus. Gleich danach sei sie verschwunden.

Ehepaar H. stützt die Version. Als das Haus in Flammen aufging, waren beide gerade mit ihren Autos zu Hause angekommen. Sie kannten die Frau vom Sehen – manchmal hängte sie draußen Wäsche auf oder ging zum Bäcker. "Sie hat die Öffentlichkeitsarbeit gemacht", sagt Uwe H.; beide wussten, dass zwei Männer mit in der Wohnung lebten – die grüßten aber nie und mieden Augenkontakt, im Gegensatz zu ihrer Mitbewohnerin.

Den erschreckten Ausdruck in Zschäpes Gesicht sah auch Antje H. Sie berichtet, wie die Frau ihre Katzenkörbe abgestellt und sie gebeten habe, darauf aufzupassen. Dann sei sie um die Ecke gebogen. Eine Begegnung von einer halben Minute – doch die Zeugenberichte sind ein wichtiger Teil der Beweiskette.