Auf der russischen Nachrichtenwebsite Lenta kommen zwei Mitglieder von Occupy-Pedofiljaj zu Wort. Sie sollen erklären, was sie mit ihren Aktionen bezwecken, was das Ziel ihrer Bewegung ist. Er glaube, alle Homosexuellen seien Pädophile, sagte der Anführer einer lokalen Gruppe. "Wenn es nach mir ginge, würde ich alle Homosexuellen töten. Aber die Regierung erlaubt das nicht." 

Ende Juni hatte Russlands Präsident Wladimir Putin das Gesetz gegen "Homosexuellen-Propaganda" unterzeichnet und damit eine Vorlage für die Verfolgung von Minderheiten in seinem Land geliefert. Wer sich öffentlich oder im Beisein von Kindern neutral oder positiv über Homosexualität äußert, dem drohen Geldstrafen von bis zu 25.000 Euro. Medien, die über Homosexualität berichten, können für drei Monate geschlossen werden.

Die homosexuellen-feindliche Atmosphäre im Land entlud sich in den vergangenen Wochen in vielen Aktionen. Schwulenrechtsaktivisten wurden festgenommen, zwei Homosexuelle wurden im Osten des Landes ermordet aufgefunden. Putin hatte die Gesetzgebung mit dem Schutz der Kinder begründet. Es gehe ihm nicht um Sanktionen gegen Homosexuelle, hatte er gesagt. Auf Kritik aus dem westlichen Ausland reagierte er harsch und verlangte, "dass andere Länder sich nicht in unsere Gesetzgebung einmischen". 

Bundesregierung hofft auf Einlenken Russlands

Gegen Ende des Videos werden die Jugendlichen zudringlicher. Er sei nichts wert, sagen sie zu dem Jungen. "Du hast ein armseliges, schwules Leben." Sie schubsen ihn und drohen damit, das Video auf seiner Profilseite im Internet zu veröffentlichen. Dann kippen sie eine gelbe Flüssigkeit aus einer Flasche über seinen Kopf. "Hast du von der berühmten Urin-Therapie gehört?" Einer der Jugendlichen tritt ihn. Das Video bricht ab.  

Die Bundesregierung hatte im Zusammenhang mit dem russischen Gesetz an die europäische Menschenrechtskonvention erinnert, die die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verurteilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte über ihren Sprecher Steffen Seibert mitteilen lassen, sie gebe die Hoffnung nicht auf, "dass der russische Staat und auch die Duma diese Entscheidungen rückgängig machen".

Auf Einsicht ist bei Russlands Regierung aber nicht zu hoffen. "Dieser Aufruf wird nicht gehört werden. Hier liegt ein scharfer Konflikt der Werte vor", schrieb der Chef des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Alexej Puschkow, auf seinem Twitter-Account.