Die spanische Polizei ist damit beauftragt worden, den Führer des nahe Santiago de Compostela verunglückten Schnellzugs zu verhören. Das ordnete der für die Ermittlungen zuständige Richter an. Der Mann solle sowohl als Zeuge wie als möglicher Verdächtiger vernommen werden, teilte die Regionalverwaltung Galiziens mit. Es wird damit gerechnet, dass die Befragung am heutigen Freitag stattfindet.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Geschwindigkeit des Schnellzuges. Die Behörden untersuchen, ob der Lokführer fahrlässig zu schnell gefahren ist oder ob die Systeme zur Kontrolle und Regulierung der Geschwindigkeit versagt haben. Aus Ermittlerkreisen heißt es, er habe eingeräumt , dass der Zug auf einer Tempo-80-Strecke mit 190 Kilometern pro Stunde gefahren sei.

Aktuell befindet sich der Lokführer im Krankenhaus unter Polizeibewachung. Über seine Verletzungen ist nichts bekannt. Laut Berichten lokaler Medien handelt es sich um einen 52-jährigen Mann. Die Staatsbahn Renfe teilte mit, er sei seit 30 Jahren im Unternehmen und seit mehr als zehn Jahren Lokführer. Die spanische Zeitung El Mundo berichtet unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Europa Press, der Mann habe gesagt, er wolle sterben, nachdem er das Unglück realisiert hatte. 

Bei dem Unfall am Mittwoch starben mindestens 80 Menschen, 173 wurden verletzt. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, der selbst aus Santiago de Compostela stammt, ordnete drei Tage Staatstrauer an.

Trotz des Unglücks liegt Spaniens Sicherheit im Zugverkehr über dem Durchschnitt, sagte Chris Carr, Leiter der Abteilung Sicherheit bei der Europäischen Eisenbahnagentur. Insgesamt sinkt die Zahl der Unfälle in der Europäischen Union Statistiken zufolge um etwa sechs Prozent im Jahr. Zwischen 1990 und 2012 hat sich die Zahl demnach um 70 Prozent verringert.