Eine Woche nach dem Freispruch im Prozess um den erschossenen afroamerikanischen Teenager Trayvon Martin haben in den USA Tausende Menschen gegen das Urteil protestiert. Von Miami über Florida , New York und Chicago , bis hin zum kalifornischen Los Angeles versammelten sich Demonstranten. In mehr als 100 Städten gab es Kundgebungen und Mahnwachen vor Gebäuden und staatlichen Einrichtungen. Aufgerufen dazu hatte die Bürgerrechtsbewegung National Action Network (NAN).

Die Proteste richteten sich gegen den Freispruch für den Todesschützen George Zimmerman. Als Mitglied einer Bürgerwehr hatte er den unbewaffneten 17-Jährigen Martin am 26. Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida erschossen. Ein Geschworenengericht glaubte seiner Version, dass der Jugendliche ihn zuerst attackiert und er selbst nur in Notwehr gehandelt habe. Nach der Verkündung des Urteilsspruchs hatte es bereits spontane Proteste gegeben.


Die Demonstranten forderten, dass Zimmerman wegen der Verletzung von Martins Bürgerrechten erneut vor Gericht gestellt wird. Der kirchliche Bürgerrechtler Al Sharpton, einer der Initiatoren, verlangte in New York eine Reform der Notwehrgesetze. Diese räumen in 30 US-Bundesstaaten ein weitreichendes Recht zur Selbstverteidigung ein. "Wir versuchen, Gesetze zu ändern, damit so etwas nie wieder geschehen kann", sagte Sharpton. Zimmermans Verteidigung hatte sich auf das Notwehr gesetz berufen.

Martins Vater Tracy sagte dem Fernsehsender CNN, die Demonstrationen schickten "eine Botschaft über das ganze Land, dass wir nicht die Füße still halten werden". Die Mutter, Sybrina Fulton, nahm an einem Protestmarsch durch New York teil. "Heute war es mein Sohn. Morgen könnte es euer Sohn sein", sagte sie.

Zuvor hatte sich US-Präsident Barack Obama am Freitag sehr persönlich zu dem Urteil geäußert. "Vor 35 Jahren hätte ich Trayvon Martin sein können", sagte er. Zugleich mahnte er die Demonstranten zur Besonnenheit: Gewalt würde Martins Tod "entehren", sagte der US-Präsident.

Obama kritisierte zudem alltäglichen Rassismus in den USA . Noch immer seien viele Schwarze argwöhnische Blicke wegen ihrer Hautfarbe gewohnt. "Es gibt sehr wenige afroamerikanische Männer, die noch nicht die Erfahrung gemacht haben, beim Einkaufen in einem Geschäft vom Sicherheitspersonal verfolgt zu werden", sagte der Präsident. Bevor er als Politiker bekannt wurde, sei ihm das auch passiert.