Der Lokführer des entgleisten Zuges hat zur Zeit des Unglücks kurz vor Santiago de Compostela offenbar telefoniert. Das gab das Oberlandesgericht von Galicien bekannt, das sich mit der Auswertung des Fahrtenschreibers befasst. Die Daten deuteten darauf hin, dass der 52-jährige Francisco José Garzón mit einem Angestellten der Bahngesellschaft Renfe telefonierte. 

"Wenige Minuten vor der Entgleisung erhielt der Lokführer einen Anruf auf seinem Diensttelefon", teilte das Gericht mit. Ein Bahnmitarbeiter habe ihm die Route des Zuges nach dem Passieren von Santiago erklärt. Während des Telefonats soll Garzón einen Streckenplan oder ein anderes Dokument gelesen haben. Das gehe aus dem Inhalt des aufgezeichneten Gesprächs und den Hintergrundgeräuschen hervor.        

Eine erste Analyse der Blackbox habe ergeben, dass Garzón wenige Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof von Santiago de Compostela mit 192 Kilometern pro Stunde in die Tempo-80-Zone gefahren sei. Wenige Sekunden vor dem Unglück habe Garzón die Bremse betätigt, so das Gericht. Der Zug sei letztendlich mit einer Geschwindigkeit von 153 Kilometern pro Stunde entgleist. Auf der geraden Strecke vor der Einfahrt war eine Geschwindigkeit von 220 Kilometern pro Stunde erlaubt.

Bei dem Unglück vor einer Woche waren 79 Menschen ums Leben gekommen. 15 Verletzte befinden sich noch in kritischem Zustand. Im Zentrum der Untersuchungen steht Lokführer Garzón. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Er befindet sich zwar in Freiheit, muss aber einmal pro Woche vor Gericht erscheinen und darf Spanien nicht ohne Erlaubnis verlassen.