Miranda wurde in Großbritannien neun Stunden lang festgehalten; gemäß Schedule 7 der britischen Antiterrorgesetze, die einen enormen Ermessensspielraum zulassen, um Menschen aufzuhalten, zu durchsuchen und zu befragen. Auch wenn diese keinerlei Verbindung zum Terror haben, wie man ihn für gewöhnlich versteht. Verdächtige haben kein Recht auf gesetzliche Vertretung und müssen hinnehmen, dass ihr Besitz bis zu sieben Tage konfisziert wird. Im Rahmen dieser Maßnahme – maßgeschneidert für Transiträume in Häfen und Flughäfen – gelten nicht die Kontrollmechanismen, die greifen, sobald man Großbritannien betritt. Es ist nicht nötig, jemanden festzunehmen und anzuklagen, und Journalisten und ihr Material genießen keinen Schutz. Ein Transitraum in Heathrow ist ein gefährlicher Ort für einen Journalisten.

Mirandas Berufsbezeichnung – gerade streitet man heiß, ob er ein richtiger Journalist ist oder nicht – ist in diesem Zusammenhang weitgehend irrelevant. Zunehmend sollte es bei der Frage, ob jemand besonderen Schutz verdient, weniger um die Frage gehen, ob er Journalist ist, sondern darum, ob die Veröffentlichung des Materials von öffentlichem Interesse ist. 

Regierungsvertreter kontaktierten die Redaktion

Das Festhalten Mirandas hat zu Recht international Bestürzung ausgelöst, weil es den Eindruck bestätigt, dass die Regierungen der USA und Großbritanniens – während sie behaupten, die durch Snowden ausgelöste Debatte um staatliche Überwachung zu begrüßen – zugleich entschlossen sind, die Enthüllungen zu stoppen und den Whistleblower mit aller Macht zu verfolgen. Dieser Eindruck stimmt. Im Folgenden führe ich einige Hintergrundinformationen über die erheblichen Hürden an, die dem in den Weg gelegt werden, der die Öffentlichkeit über die Pläne der Nachrichtendienste, Regierungen und Großunternehmen informieren will.  

Vor etwas mehr als zwei Monaten wurde ich von einem leitenden Regierungsvertreter kontaktiert, der behauptete, die Meinung des Premierministers zu vertreten. Es folgten zwei Treffen, in denen er die Rückgabe oder Zerstörung jedes Materials forderte, mit dem wir gerade arbeiteten. Der Ton war eiskalt, wenn auch freundlich, doch es klang implizit die Drohung mit, dass andere in der Regierung und in Whitehall einen deutlich drakonischeren Ansatz favorisierten. 

Geben Sie das Snowden-Material zurück oder zerstören Sie es

Vor gut einem Monat verschärfte sich die Stimmung, als ich einen Anruf von der Regierungszentrale bekam: "Ihr habt Euren Spaß gehabt. Jetzt wollen wir das Zeug zurück." Es folgten weitere Treffen mit undurchsichtigen Figuren aus Whitehall. Die Forderung war dieselbe: Geben Sie das Snowden-Material zurück oder zerstören Sie es. Ich erklärte, dass wir zu dem Thema nicht mehr nachforschen und darüber berichten könnten, wenn wir der Bitte nachkämen. Der Mann aus Whitehall sah mich verblüfft an. "Sie hatten Ihre Debatte. Es muss nicht noch mehr geschrieben werden."

Bei einem dieser Treffen fragte ich direkt, ob die Regierung die Berichterstattung des Guardian auf gesetzlichem Wege verhindern würde, indem sie vor Gericht ziehen und die Herausgabe des Materials durchsetzen würde, an dem wir arbeiteten. Der Offizielle bestätigte, dass dies tatsächlich die Absicht der Regierung sei, falls es nicht zur Übergabe oder Zerstörung kommen sollte.

Ein Verbot im Voraus, fast undenkbar in den USA, stand uns in Großbritannien explizit und unmittelbar bevor. Doch durch meine Erfahrungen mit WikiLeaks – der USB-Stick und der erste Zusatzartikel – war ich auf diesen Augenblick vorbereitet. Ich erklärte dem Mann aus Whitehall das Wesen internationaler Zusammenarbeit und wie heutzutage Nachrichtenquellen die liberalsten Rechtsumfelde für sich nutzen können. Offen gesagt, unsere Berichterstattung musste nicht aus London kommen. Schon jetzt wurden die meisten Berichte zur NSA in New York geschrieben und bearbeitet. Und war ihm schon aufgefallen, dass Greenwald in Brasilien lebte?