Moussa Diaw hat seine Koffer gepackt. Er geht zurück nach Österreich. Drei Jahre lang organisierte der Pädagoge an der Universität Osnabrück Kurse zur sozialen Integration von Imams hiesiger Moscheegemeinden. Er war dafür zuständig, Seelsorger fortzubilden, die aus islamischen Ländern nach Deutschland kommen und sich hier zurechtfinden sollen. In den Kursen lernen sie nicht nur Deutsch, sondern zum Beispiel auch, wie das Jugendamt, die Schulen oder andere Behörden oder Projekte arbeiten. Für ein entsprechendes Lehrangebot hat die Hochschule jedoch kein Geld mehr. 

Dabei spielen die Imams eine Schlüsselrolle im Gemeindeleben, wie der Religionssoziologe Rauf Ceylan betont. Wenn sie sich in der deutschen Gesellschaft nicht auskennen, kommen sie an viele hier geborene Jugendliche zum Beispiel gar nicht heran. Beim Start des Osnabrücker Weiterbildungsprogramms sprach deshalb der damalige niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) von der "enormen integrationspolitischen Bedeutung" des Vorhabens. Auch viele Teilnehmer waren überzeugt. Abdul-Jalil Zeitun etwa, ein aus Syrien zugewanderter Imam sagt: "Ich habe in neun Blockseminaren über zwei Semester viel über Religion, Recht und Staat oder Jugendarbeit dazugelernt." Er meint, das für alle Teilnehmer sagen zu können. Und er hält es für falsch, dass die Kurse nicht weitergeführt werden.

Bis heute gibt es rund hundert Absolventen. Angesichts von bundesweit mehr als zweitausend Imams ist das nicht viel. Wie nützlich und nachahmenswert Kurse nach dem Osnabrücker Beispiel gleichwohl sind, hebt die Islamkonferenz beim Bundesinnenminister in einem speziellen Leitfaden hervor. Von allen deutschen Hochschulen macht jetzt nur noch die Uni Erlangen-Nürnberg ein entsprechendes Angebot. Ansonsten unterstützt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rund zehn ähnliche Integrationsprojekte von Städten wie Berlin, München oder der Mainmetropole Frankfurt.

Theologie statt Integration

Der "Leitfaden" der Islamkonferenz mahnte ausdrücklich, dass die Kursangebote nach der dreijährigen Anschubphase weiter finanziert werden sollten. Im Fall Osnabrück hat sich aber niemand rechtzeitig darum gekümmert. Ein Sprecher der Landesregierung von SPD und Grünen erklärt: Derzeit bastele man noch an einem "Finanzierungsmix", der vielleicht in einem Jahr verfügbar sei. Gegen einen Griff in den Uni-Etat wendet sich die Osnabrücker Hochschulleitung aber schon heute.        

Zwar stellt das Bundesbildungsministerium für das Islamzentrum Millionen zur Verfügung. Aber diese Mittel dürfen für die Imamfortbildung nicht angetastet werden, betont ein Ministeriumssprecher. Martina Blasberg-Kuhnke, die für den Aufbau eines Islamzentrums für künftige Religionslehrer an Schulen verantwortlich ist, erklärt: "Unsere Aufgabe ist wissenschaftliche Theologie und nicht soziale Integration. Dafür müssen andere zahlen."