In dem von somalischen Islamisten besetzten Einkaufszentrum in Nairobi hat es erneut Explosionen und Schüsse gegeben. Anschließend stieg dichter schwarzer Rauch über dem Gebäude auf. Reporter berichteten von "mindestens drei Explosionen" und einem intensiven Gewehrfeuer. "Wir haben es geschafft, einige Geiseln zu befreien", gab Polizeichef David Kimaiyo nach dem Beginn des Einsatzes über Twitter bekannt. Die Operation sei aber noch nicht abgeschlossen.

Bei dem Militäreinsatz seien zwei der Terroristen getötet worden. Es seien mehr als zehn Menschen zur Befragung in Gewahrsam genommen worden, teilte das kenianische Innenministerium auf Twitter mit. Fast alle Geiseln seien befreit worden, sagte Innenminister Ole Lenku. "Wir haben die Situation unter Kontrolle, es gibt keinen Grund zum Alarm", sagte er. Die Sicherheitskräfte kontrollierten mittlerweile alle Stockwerke, und das Gebäude sei komplett abgesperrt. Die Geiselnehmer könnten "nicht mehr entkommen". 

Die Täter gehören nach den Worten des kenianischen Armeechefs Julius Karangi verschiedenen Nationalitäten an. Karangi sprach von einem "multinationalen" Kommando, das im Auftrag des "Weltterrorismus" handle. Entgegen anderslautender Meldungen der vergangenen Tage handelte es sich demnach bei allen Tätern um Männer. Jedoch seien einige als Frauen verkleidet gewesen, um Verwirrung zu stiften.

Etwa 10 bis 15 bewaffnete Angreifer hatten das Zentrum am Samstag gestürmt und Geiseln genommen. Die Explosionen und der Rauch, der aus Westgate aufstieg, seien von den Extremisten ausgelöst worden.

Sicherheitskräfte im Gebiet um das mehrstöckige Westgate-Einkaufszentrum forderten Journalisten und Rettungsteams auf, sich in Sicherheit zu bringen. Krankenwagen waren unterwegs zu den Stellen des Gebäudekomplexes, an denen die Explosionen zu hören waren.

Mehr als 60 Tote

Nach Angaben des kenianischen Roten Kreuzes wurden seit dem Beginn des Sturms auf das Gebäude am Samstag mindestens 62 Menschen als getötet registriert, rund 175 wurden verletzt.

Der Überfall ist der schwerste Terroranschlag in Kenia seit einem Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft vor 15 Jahren. Zu der Tat bekannte sich die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz. Ein Anführer der Gruppe kündigte weitere Attacken an und erklärte das ostafrikanische Land zum Kriegsgebiet. Angriffe auf das Land und seine Bürger würden bis zum Rückzug der kenianischen Truppen aus dem Süden Somalias fortgesetzt, sagte der nicht näher benannte Mann in einem Interview. Kenia unterstützt das Nachbarland seit 2011 militärisch im Kampf gegen die Extremisten.