"Ich würde die als Spargeltarzans beschreiben", sagt K., groß und dünn seien sie gewesen. Auch die Gesichter der Männer erkannte K. Einer habe ein abstehendes Ohr gehabt, mit ihrer hellen Haut hätten sie wie Nord- oder Osteuropäer gewirkt. Waltraud N. hatte beide am Tag zuvor hingegen als Südländer beschrieben.

Die Ermittler brachten den Yasar-Fall indes mit einem anderen Verbrechen in Zusammenhang: dem Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße von 2004. Es waren diese Jahre, in denen die Ermittler ernsthaft begannen, in Richtung Rechtsextremismus zu ermitteln, wie ein Kommissar früher im Prozess ausgesagt hatte. Offenbar klappte ab da auch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Kommissionen besser: Auf Bitten der Kölner spielten die Nürnberger K. im Mai 2006 Videobänder von Überwachungskameras nahe der Keupstraße vor, auf denen wahrscheinlich Mundlos und Böhnhardt mit Fahrrädern zu sehen sind.

Die Sequenzen hatte Richter Manfred Götzl bereits am Vortag zeigen lassen – wohl in dem Wissen, dass sie in dieser Sitzung das interessanteste Anschauungsobjekt sein würden. Bei zwei Terminen bekam K. die Filme zu sehen, anhand von Aussehen und Bewegung der Männer im Video war sie sich sicher, die beiden aus Nürnberg wiedererkannt zu haben.

Zeugen die "Nazi-Killer" in der Zeitung gezeigt

Erst scheint es, als hätten die Ermittler mustergültige Arbeit geleistet. Doch die Ergebnisse bekommen schnell Risse. Denn die Vorlage der Sequenz wirft Fragen auf – vor allem bei den Nebenklägern. Wieso dauerte es fast ein Jahr, bis die Ermittler K. zum Videotermin baten? Und wieso bekamen nicht alle Zeugen die Bilder zu sehen? Der Passant Mütasam Z., der später aussagen soll, hatte ebenfalls zwei Männer am Imbiss gesehen. Für ihn gab es keine Vorführung. Zum Ende des Tages steht der Kommissar Herbert M. im Zeugenstand. Er war für die Vorlagen verantwortlich. Anwalt Sariyar will wissen, warum die Ermittler bei Z. auf das Video verzichteten. "Das kann ich Ihnen nicht sagen", antwortet M.

Es handelt sich nicht um den einzigen Patzer. Nachdem der NSU im November 2011 aufgeflogen war, wurden die Zeugen zur sogenannten Lichtbildvorlage gebeten. Dabei mussten sie die Männer vom Tatort in einer Auswahl von acht Bildern aus der BKA-Kartei identifizieren. K. erzählt, die Ermittler hätten ihr zunächst einen Zeitungsausschnitt mit den Bildern von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gezeigt, die mit den Worten "Nazi-Killer" überschrieben waren. Erst danach bekam sie die Bilderbögen zu sehen, auf denen Fotos von Mundlos und Böhnhardt gedruckt waren.

Für Salime Yasar ist es sicher nicht das erste Mal, dass sie von den Ermittlungsfehlern hört. Regungen lässt sie sich nicht anmerken. Offenbar hat sie sich sorgfältig auf den Verhandlungstag vorbereitet. Nur manchmal zieht sie ihr Kopftuch zu einem schmalen Schlitz zusammen. Dann kann niemand mehr ihre Augen sehen.