Derweil wurden immer neue Details über die Prunksucht des Limburger Oberhirten bekannt. So soll nach Recherchen der Frankfurter Neuen Presse allein die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung des Bischofs knapp drei Millionen Euro gekostet haben. Sie war zunächst nur mit 200.000 Euro veranschlagt worden. Teuer wurde vor allem der Bau einer zweiten Ebene, die eigens in den Felsen des Dombergs gefräst werden musste. Für Schreinerarbeiten fielen außerdem 350.000 Euro an. Allein eine freistehende Wanne im Bad habe 15.000 Euro gekostet.

All dies sei den Finanzkontrolleuren vorenthalten worden, sagte dazu Verwaltungsratssprecher Riebel. Obwohl er mehrfach dazu aufgefordert worden sei, habe Tebartz-van Elst weder Haushalte noch Einzelprojekte zur Genehmigung vorgelegt. Riebel räumte aber gleichzeitig ein, dass ständige Änderungswünsche des Bischofs zu "ganz erheblichen Mehrkosten geführt" hätten, das Gremium also doch über dessen Gebaren informiert war. Riebel, ehemals Leiter der hessischen Staatskanzlei, bezifferte den Quadratmeterpreis für den Bau auf 10.000 Euro. Dies entspreche den Kosten für einen voll ausgestatteten modernen Operationssaal.

Der Vermögensverwaltungsrat wollte sich eigentlich am Montag zum Sachverhalt äußern. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung untersagte Bischof Tebartz-van Elst jedoch die Veröffentlichung einer Erklärung.

"Kollegiale Solidarität"

Derweil nahm Bistumssprecher Martin Wind Tebartz-van Elst in Schutz. Der habe selbst erst in dieser Woche von den erheblich gestiegenen Kosten erfahren. Verantwortlich seien "denkmalpflegerische und technische Gesichtspunkte" beim Bau. Das hessische Landesamt für Denkmalpflege bestritt dies allerdings auf Anfrage. Kirchen brauchten sich die Umgestaltung ihrer Baudenkmäler laut Gesetz nicht genehmigen zu lassen, teilte die Behörde mit.

Die bisherigen Unterstützer des Bischofs sind angesichts immer neuer Fakten in Deckung gegangen. Die Bischofskonferenz unter Leitung von Erzbischof Robert Zollitsch ließ über seinen Sprecher ausrichten, man habe eine Prüfungskommission eingerichtet. "Die nimmt jetzt ihre Arbeit auf – und dann muss man sehen", hieß es. Zollitsch hatte Tebartz-van Elst vor zwei Wochen noch seine "kollegiale Solidarität" versichert.

Nun aber deutet vieles darauf hin, dass der Bischof nicht mehr lange im Amt bleiben wird. Zurücktreten kann er nur mit Billigung des Papstes. Der kann ihn laut Kirchenrecht "nachdrücklich" bitten, seine Demission einzureichen, wenn er aus einem "schwerwiegenden Grund" nicht mehr in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte zu führen. Falls der Limburger Oberhirte dem nicht folgt, droht ihm schlimmstenfalls die Absetzung. Nach Einschätzung des Theologen und Kirchenrechtlers Schüller wäre es sogar im ureigenen Interesse des Papstes, Tebartz-van Elst loszuwerden. Schließlich versucht Franziskus, der Kirche wieder Bescheidenheit beizubringen. Zuletzt sagte der Papst, wie sehr es ihn schmerze, einen Priester in einem Neuwagen zu sehen. Franziskus verzichtete unter anderem auf seine Dienstwohnung und ließ sich auch schon mal mit einem alten R4 mit 300.000 Kilometern auf dem Buckel chauffieren.

"Wer in der Kirche mit dem Geld der Gläubigen so verantwortungslos umgeht, der muss mit Sanktionen rechnen", sagt Kirchenrechtler Schüller. "So wurden unlängst in Slowenien Bischöfe zum Rücktritt gezwungen, die sich mit Finanzgeschäften verzockt hatten." Selbst wegen Verkehrsdelikten hätten Bischöfe schon zurücktreten müssen.

Bei Tebartz-van Elst geht es um viel mehr, um einen möglichen Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Versicherung. 2012 war der Bischof erster Klasse zu einem Slum-Besuch nach Bangalore geflogen und hatte dies zunächst auf Nachfrage des Spiegel bestritten. Spätestens dann sei der Rücktritt unausweichlich, sagt Schüller. "Da geht es schließlich um den Kern des bischöflichen Auftrags: die Glaubwürdigkeit. Wer soll denn einem verurteilten Lügenbischof jemals noch etwas abnehmen?"