Er hat die Katastrophe überlebt, viele andere sind ertrunken: "Ich kann schwimmen – meine Freunde hingegen waren noch nie im Meer." So lautet die Erklärung des 18-Jährigen aus Eritrea , der zu den 155 Flüchtlingen gehört, die lebendig auf die Insel Lampedusa gelangt sind. Er nennt sich David Villa , wie der spanische Fußballer. Seine Geschichte hat er italienischen Zeitungsreportern erzählt, nachzulesen ist sie auch im britischen Guardian .

Die meisten Passagiere des gesunkenen Schiffes stammten seinen Angaben zufolge aus Eritrea, einem vom Bürgerkrieg geplagten Land am Horn von Afrika . Begonnen hatte ihre Fahrt in Libyen . "Man hatte uns fünf Liter Wasser für drei Personen gegeben, es gab schrecklichen Wellengang und wir konnten uns nicht bewegen", wird der 18-Jährige zitiert. Die Flüchtlinge hatten nach einer zweitägigen Reise die Insel Lampedusa fast erreicht, als an Bord Chaos ausbrach: "Wir begannen, T-Shirts zu verbrennen und sie in der Luft zu schwenken. Dann begann das Boot zu brennen und es gab eine Explosion."

Auch die Vorgeschichte von David Villa ist dramatisch. Er habe als ältestes von acht Kindern die gesamten Ersparnisse seiner Eltern ausgegeben – 3.000 US-Dollar – um mit einem Lkw-Transport durch die Sahara nach Libyen zu gelangen. Das war im Frühjahr 2012. In Libyen habe er sich gemeinsam mit einem Freund als Anstreicher verdingt. Sie hätten in einer Baracke neben den Farbtöpfen geschlafen und seien von ihrem Arbeitgeber oft geschlagen worden. Die Libyer seien "Mafia, Mafia".

Andere Flüchtlinge berichteten italienischen Parlamentsabgeordneten, sie hätten an ihre Schlepper Tausende Dollar für die Reise durch die Sahara und über das Mittelmeer bezahlt. Wie der Guardian meldete, haben die italienischen Behörden einen Tunesier festgenommen, der von Passagieren als Steuermann des Schiffes identifiziert wurde. Er habe darauf bestanden, als "Doktor" angeredet zu werden und sei Teil einer Schmugglerbande, die mit der Überfahrt des gesunkenen Schiffes 500.000 Euro verdient habe.

Zehn Leichen beim ersten Tauchgang gefunden

Italienische Taucher haben vor Lampedusa weitere ertrunkene Flüchtlinge geborgen. Bei einem ersten Tauchgang wurden nach Polizeiangaben zehn Leichen aus dem gesunkenen Schiffswrack nach oben gebracht; bislang wurden 121 Menschen tot geborgen. Es wird damit gerechnet, dass sich rund 100 Leichen im Schiff oder in der Nähe des Schiffes in 47 Meter Tiefe befinden. Viele Opfer werden nach Einschätzung der Behörden nie gefunden werden. Die Arbeit der Bergungstaucher wird durch Seegang und starken Wind behindert.

Am Donnerstag war das Boot mit 500 Flüchtlingen aus Eritrea und Somalia vor der italienischen Küste gesunken. 155 Afrikaner konnten gerettet werden.

Die Überlebenden müssen zudem offenbar mit Strafanzeigen und einer Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro rechnen: Gegen sie soll wegen illegaler Einwanderung ermittelt werden. Sobald sie identifiziert seien, geschehe dies zwangsläufig, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Dies lasse sich wegen der geltenden Gesetze nicht verhindern, bislang seien aber noch keine Ermittlungen aufgenommen worden.