Sergej Filin, der künstlerische Leiter des Moskauer Bolschoi-Balletts, hat am Mittwoch im Prozess gegen den Solotänzer Pawel Dmitritschenko ausgesagt. Diesem wird vorgeworfen, hinter dem Säureanschlag auf Filin zu stecken. Im Januar war der 43-Jährige vor seinem Wohnhaus mit Säure attackiert worden und dabei nahezu erblindet.

Vor Gericht sagte Filin aus, zwischen ihm und Dmitritschenko habe es keine Konflikte gegeben: "von meiner Seite aus nicht". Allerdings sei er gewarnt worden, dass der bekannte Tänzer auf der Suche nach Informationen über Geldgeschäfte und Filins Liebesleben sei, die dessen Ruf schaden könnten.

Die Ermittler vermuten, dass Dmitritschenko wegen der Vergabe von Rollen für sich und seine damalige Freundin mit Filin zerstritten war. Filin wies vor Gericht auch Anschuldigungen zurück, er habe eine Affäre mit einer Solotänzerin gehabt und sie deshalb bevorzugt.

Dmitritschenko gesteht "moralische Verantwortung" ein

Dmitritschenko entschuldigte sich bei Filin, bestreitet aber, Drahtzieher der Attacke gewesen zu sein. "Ich streite nicht die moralische Verantwortung ab", sagte er. In die konkrete Planung sei er aber nicht eingebunden gewesen. Außer Dmitritschenko sind der mutmaßliche Täter und ein Helfer wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. Ihnen drohen je bis zu zwölf Jahre Haft.  

Filin war im September nach mehreren Operationen in Deutschland nach Moskau zurückgekehrt, um seine Arbeit wieder aufzunehmen. Vor Gericht sagte er, er könne den Tätern und Hintermännern des Angriffs "niemals verzeihen". Er trug einen dunklen Anzug mit hohem Kragen und eine abgedunkelte Brille. "Ihm wurde geraten, Stress zu vermeiden", sagte seine Anwältin Natalia Schukowa. Filin habe aber darauf bestanden, dem Gericht alle Fragen zu beantworten.