Früh am Morgen des 5. November 2011 klingelt bei Familie Böhnhardt in Jena das Telefon. Einen Tag zuvor hatten sich in einem Wohnmobil in Eisenach zwei Bankräuber erschossen. Brigitte Böhnhardt weiß davon noch nichts. Sie schläft nahe am Apparat, sie ist schnell am Telefon. Es meldet sich eine dünne Frauenstimme.

"Hier ist Beate."
"Welche Beate?"
"Uwes Beate."

Da ist erst einmal die Leitung still. Frau Böhnhardt muss den Schock verarbeiten. Dann begreift sie, dass sie mit Beate Zschäpe spricht, der Freundin ihres Sohnes Uwe. Neun Jahre hat sie mit beiden nicht mehr gesprochen.

"Kommt ihr zurück? Wollt ihr euch stellen?"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Der Uwe kommt nicht mehr."

Wieder muss Frau Böhnhardt überlegen.

"Ist der Uwe tot?"
"Ja, der Uwe ist tot."

Böhnhardt will private Details nicht erzählen

Am 58. Tag des NSU-Prozesses schildert Brigitte Böhnhardt als Zeugin ganz langsam und ruhig das Telefonat, mit dem ihre jahrelange Ungewissheit endete. Aber sie erzählt nicht gern davon, "das ist ganz privat", sagt sie immer wieder. 

Nach dem Telefonat habe sie "wie eine Salzsäule" auf dem Sofa gelegen, den Hörer noch in der Hand.

Vielmehr habe Zschäpe in dem kurzen Gespräch nicht gesagt. Sie habe ausgerichtet, Uwe habe seine Eltern sehr geliebt gehabt, er habe an jedem Geburtstag an sie gedacht. Die Todesumstände erwähnte sie nur mit ein, zwei Sätzen, sagt Böhnhardt. Dann dreht sie sich nach links, sieht der Angeklagten Zschäpe ins Gesicht. "Danke, dass du's trotzdem gemacht hast", sagt sie. Zschäpe schaut zur Seite.

Wie könnte Brigitte Böhnhardt ihr böse sein? Sie sieht in Zschäpe nicht die Terroristin, die fanatische Nazi-Frau. Sie sieht das Mädchen, das ihr Sohn Uwe liebte. Sie hatte Zschäpe Mitte der neunziger Jahre als dessen Freundin kennengelernt, bis zum Ende des NSU hielt sie die beiden für ein Paar.