Zschäpe hat auf das Herumstochern in ihrer Vergangenheit offensichtlich keine Lust. Zwischenzeitlich legt sie ihre rechte Hand auf die Schulter, stützt ihren Kopf darauf und schließt die Augen, als wolle sie schlafen. Es scheint, als versuche sie der Situation in Gedanken zu entfliehen.

Es gab noch etwas, das den Nachbarn auffiel: Da war dieser Junge, der "ab und zu" mal vorbeikam, erzählt Katrin F., angeblich der Neffe von Frau Dienelt. Ein- bis zweimal im Monat sei ein kleinerer Mann vorbeigefahren, habe das Kind in der Wohnung abgeliefert und sei dann mit den beiden Mitbewohnern fortgegangen. Der angebliche Neffe habe nicht mit anderen Kindern spielen dürfen.

Wer das Kind vorbeibrachte, lässt sich in der Verhandlung nicht klären. Bundesanwälte und Nebenkläger vermuten, es könnte der Mitangeklagte André E. gewesen sein, Vater von zwei Söhnen. Ließe sich so ein regelmäßiger Kontakt mit dem Trio nachweisen, könnte dies den Vorwurf der Beihilfe gegen ihn erhärten. F. erkennt jedoch weder E. wieder noch dessen Frau Susann. Denkbar ist, dass ein anderer Freund der Terrorzelle sein Kind vorbeibrachte: Max-Florian B., in dessen Wohnung die drei kurz nach ihrem Untertauchen gelebt hatten. Gegen B. läuft noch ein Ermittlungsverfahren.

Zschäpe soll sich ausländerfeindlich geäußert haben

Das Bild der angeblichen Frau Dienelt scheint nahezu perfekt – irgendwann bekam es dennoch Risse: Es ging das Gerücht um, die Nachbarin sei ausländerfeindlich, erzählt Ehemann Martin F. am Nachmittag. Oben im Haus wohnte eine vietnamesische Familie – kam einer von dort im Treppenhaus vorbei, habe Dienelt ein Gesicht gemacht, "wie wenn man Menschen nicht mag", sagt F. Der gutherzigen Nachbarin gelang es offenbar, Angst im Haus zu verbreiten: F. erzählt, sein Bruder habe sich bei Besuchen nicht einmal getraut, seine vietnamesische Frau mitzubringen.

Auch über Anträge der Nebenkläger berät das Gericht an diesem Prozesstag. Wahrscheinlich wird der Strafsenat einen zusätzlichen Sachverständigen bestellen. Mehrere Nebenklagevertreter fordern ein Sprachgutachten, in dem Zschäpes Briefe an den Dortmunder Neonazi Robin S. mit dem sogenannten Manifest des NSU aus dem Jahr 2002 verglichen werden sollen. In dem Dokument bekennt sich der NSU zum bewaffneten Widerstand. Hintergrund sind zwei Gutachten, die der Stern erstellen ließ. Darin sprechen die anonymen Autoren von großen Ähnlichkeiten im Schreibstil.

Ließe sich belegen, dass Zschäpe Koautorin des Manifests ist, wäre klar, dass sie "die Mordserie ideologisch mitgetragen" habe, sagt Anwältin Gül Pinar. Eine solche Expertise könne "den Prozess nachhaltig beeinflussen".