Auf den Philippinen haben Tausende vom Taifun Betroffene versucht, einen Platz bei einem der Flüge aus dem Katastrophengebiet heraus zu bekommen. Auf dem Flughafen der beim Supertaifun Haiyan weitgehend zerstörten Stadt Tacloban gab es Gedränge, weil zahlreiche Menschen in einer der Militärmaschinen, die Hilfsgüter lieferten, ausgeflogen werden wollten.

"Alle sind in Panik", sagte die Militärärztin Emily Chang, die auf dem ebenfalls zerstörten Flughafen von Tacloban Verletzte versorgte. "Sie sagen, dass es kein Essen gibt, kein Wasser, sie wollen hier weg." Bislang sei die Zahl der Flüge von und nach Tacloban noch sehr begrenzt, bestätigte ein Sprecher des internationalen Roten Kreuzes. Nur Militärmaschinen flögen derzeit die Stadt an.

Eine Frau berichtete, sie warte mit ihrer siebenjährigen Tochter schon seit drei Tagen auf dem Flughafen, habe aber immer noch keine Wartenummer für einen der Flüge ergattert. "Wir werden vielleicht vor Hunger sterben", sagte die Frau.

Bericht über Schießerei

Im Dorf Abucay lieferten sich einem Bericht des lokalen Fernsehsenders ANC zufolge Soldaten und bewaffnete Zivilisten eine Schießerei. Die Männer hätten in dem Dorf Abucay in Geschäften und Lagerhäusern nach Lebensmitteln und Wasser gesucht. Das Militär bestätigte den Vorfall zunächst nicht.

Angesichts der schleppend anlaufenden Hilfe für die Opfer des Supertaifuns  versuchen immer mehr Menschen, an Lebensmittel zu kommen . Auf der Insel Leyte wurden Lagerhäuser des Lebensmittelkonzerns Universal Robina und der Pharmafirma United Laboratories sowie eine Reisfabrik geplündert, teilte der Leiter der örtlichen Handelskammer mit. Das Fernsehen zeigte Aufnahmen von Soldaten, die in Tacloban Schüsse in die Luft abgaben, um Menschen auf der Suche nach Nahrungsmitteln zu vertreiben.

"Plündern ist kein Verbrechen"

Stadtverwalter John Lim sagte, dass "das Plündern kein Verbrechen" sei. "Es geht um Selbsterhaltung." Einige Überlebende gruben Wasserleitungen aus auf der Suche nach Trinkwasser aus. "Wir wissen nicht, ob es sicher ist. Wir müssen es abkochen. Aber wenigstens haben wir etwas", sagte ein 38-Jähriger.

Auf den Philippinen hatte Ende vergangener Woche Supertaifun Haiyan gewütet und Teile des Inselstaates zerstört. Nach einer neuen vorläufigen Zählung der Regierung starben mindestens 2.275 Menschen, 80 weitere wurden verletzt. Die Zahl dürfte noch steigen, weil unter den Trümmerbergen weitere Leichen vermutet werden. Zunächst waren die Behörden von 10.000 Toten ausgegangen.

Die meisten Menschen starben auf den Inseln Samar und Leyte, wo Sturmfluten mit riesigen Wellen Hunderte Meter über das Land rollten und alles mit sich rissen. Mindestens 3.665 Menschen wurden nach Angaben der Behörde verletzt.