Man muss überhaupt erst einmal verstehen, wen man da vor sich hat. Man sieht es ihm nicht an, dem sonnengebräunten Endfünfziger in den legeren Sommersachen und den offenen Sandalen, dass er in Deutschland Immobilien für ein paar Millionen Euro besitzt, dass er "aus einer der reichsten Familien des Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg" stammt, dass er als Wunderkind geboren wurde und als Kleinkind einen IQ nahe an der Genieschwelle hatte. So erzählt er das jetzt alles, in bereitwilliger Ausführlichkeit, er lächelt dabei viel und trinkt Kaffee aus seiner riesengroßen Tasse mit dem Logo des Fußballklubs Flamengo drauf.

Franko hat seine deutsche Heimat schon lange verlassen: 1982 ist er nach Rio de Janeiro gezogen. Er hat einen riesigen Balkon, wo man auf Plastikstühlchen sitzt und über die Dächer der Copacabana blickt. Franko – der nicht wirklich so heißt, sondern dessen Name auf seine Bitte geändert wurde – ist jetzt hier zu Hause, obwohl er auch immer wieder Zeit in Deutschland und in den USA verbringt.

Vor einigen Jahren hatte er beschlossen, dass er nicht mehr alleine hier oben wohnen wollte, dass diese große Wohnung zu viel für ihn sei, und da hat er über das Internet mal zwei, mal drei Zimmer an Feriengäste aus Deutschland, den USA oder dem sonstigen Ausland vermietet. Er hat praktische Kleiderschränke einbauen lassen und Kühlschränke und wuchtige Hotelsafes; die Fenster sind jetzt von Gardinchen geschmückt und ein Duft von frisch gewaschener Bettwäsche liegt in der Luft. Franko freut sich auf die WM: Da wird er den dreifachen Preis verlangen. Er mag es so, er ist jetzt nicht mehr so allein; er könnte sorglos und glücklich in Rio sein. 

"Herrenbesuche sind ausgeschlossen"

Er könnte – wenn er nicht ein Problem hätte mit dieser Wohnung und seinen Gästen. Franko ist von Natur aus ein sehr vorsichtiger Mensch, aber die Sache mit der Herbergswirtschaft hat sich für ihn schnell in eine bedrohliche Richtung entwickelt. Einige Gäste wollten nicht einfach nur übernachten, sie wollten Prostituierte mitbringen, schließlich sei man ja an der Copacabana. Franko zuckt mit den Schultern. "Es ist schon sehr viel weniger geworden", sagt er.

Im Prinzip hat Franko da auch nichts gegen. "So einen Nuttentyp" von Reisenden, den gebe es nun mal, und einige reisten hier in den Urlaub und nähmen sich 40 verschiedene Frauen in einer Woche; üblicher seien Damenbesuche alle zwei bis drei Tage. In sein Herbergsangebot im Internet hat Franko selber etwas über die "flexible Handhabung von Besuchen" geschrieben, was man als klare Ansage verstehen kann, zumal die Hotels in Rio da überhaupt nicht flexibel sind. Das Geschäft mit einsamen Weltreisenden und den Damen, die sie trösten, findet in Stundenhotels und vor allem in solchen Privatwohnungen statt. "Herrenbesuche sind ausgeschlossen", darauf weist Franko auch noch hin, und auch auf die guten Matratzen, die schallgeschützten Zimmer, die sehr private Badewanne mit der Whirlpoolfunktion.

Es ist heute nicht mehr so, dass in der Copacabana jeden Abend irgendwo geschossen wird, dass Banditen durch die Straßen und über die Flure der Wohnhäuser ziehen, aber trotzdem: Frankos Eingangstüren sind inzwischen wuchtige Klötze mit schweren Stahlverschlägen rings um die Klinken, das müsse so sein bei dieser Art von Besuchen. "Sicherheit ist von äußerster Bedeutung" ermahnt er seine Kunden, und allein die Sicherheitsschlösser sind von so ungewöhnlicher Qualität, dass er beim Verlust des Schlüssels 400 Dollar in Rechnung stellt. "Also, ich bin neurotisch", sagt er mit einem entschuldigenden Lächeln.

Für die besuchenden Damen hat er an der Tür, vor der ein Schild mit dem deutschen Wort "Machtzentrale" baumelt, eine Ausweiskontrolle eingerichtet. Die Türen sperrt er nachts ab, und wenn Damen da sind, besteht Franko eisern darauf, dass der teure Schlüssel über Nacht in den Safe wandert. "Sonst kann so ein Mädchen hier ja über Nacht alles ausräumen." "Der einzige Nachteil ist, dass wenn es mal brennen sollte und man den Schlüssel nicht schnell hat, dass man dann nicht mehr hier rauskommt", meint Franko.