Der verheerende Taifun Haiyan hat die Philippinen ins Chaos gestürzt. Die Überlebenden warten verzweifelt auf Hilfe, die aber an vielen Orten noch nicht angekommen ist. Zu vielen Menschen in zum Teil abgelegenen Gebieten ist der Kontakt abgebrochen, Straßen und Brücken sind unpassierbar, Strom- und Telefonleitungen sind zerstört, die Kommunikation mit der Außenwelt unterbrochen. UN-Mitarbeiter fühlen sich an die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 erinnert.


Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind von dem Taifun inzwischen etwa 9,5 Millionen Menschen betroffen, mehr als eine halbe Million von ihnen hat ihre Häuser verloren oder musste fliehen. Viele hatten auch am dritten Tag nach dem Taifun keinen Zugang zu Lebensmitteln, Trinkwasser oder Medikamenten. Leidtragende sind nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks Unicef auch bis zu vier Millionen Kinder.

Die philippinischen Behörden waren mit den Rettungsmaßnahmen hoffnungslos überfordert, was besonders in Tacloban zu beobachten war. Die Küstenstadt ist schwer zerstört, Tote liegen in den Straßen. Inzwischen sind Hunderte Soldaten und Polizisten im Einsatz, um Plünderungen zu unterbinden, wie es sie am Sonntag gegeben hatte. 500 Pioniere seien außerdem im Stadtgebiet im Einsatz, um Straßen freizuräumen. 

Auf dem Flughafen der zerstörten Stadt haben sich nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Menschen eingefunden, die auf Trinkwasser und Nahrungsmittel hoffen. Die ersten Flüge brachten Mediziner, die am Flughafen notdürftig eine Krankenstation einrichteten. "Wir haben nichts, hier kommt nichts an", sagte die Bewohnerin Gilda Mainao im philippinischen Rundfunk. "Bitte, bitte schickt uns Hilfe."

Die internationale Hilfe läuft schleppend an. Im Hafen von Tacloban machte nach Angaben des Roten Kreuzes am Sonntagabend ein Versorgungsschiff mit 140 Tonnen Hilfsgütern fest. Aus Frankfurt wurden 25 Tonnen Hilfsgüter in die Hauptstadt Manila geflogen, darunter Decken, Zelte und Medizintechnik. Auch Experten des deutschen Technischen Hilfswerks waren auf dem Weg, ebenso Flugzeuge und Hubschrauber der US-Streitkräfte. Mit ihrer Hilfe soll der Transport der Hilfsgüter zu den Bedürftigen erleichtert werden.

Nach Schätzungen der Behörden wurden mehr als 10.000 Menschen durch den Wirbelsturm getötet. Die philippinische Regierung hat diese am Sonntag verbreitete Zahl bislang nicht kommentiert. Offiziell bestätigt sind 492. Die Aufräumarbeiten könnten in den kommenden Tagen von weiteren Regenfällen erschwert werden.