Es gibt Zeugen im NSU-Prozess, die auf jedes ihrer Worte achten müssen. Eines zu viel kann bei manchen Mitgliedern aus dem rechten Umfeld von Thüringen schon zur Folge haben, dass sie als Unterstützer der Terrorzelle verfolgt werden. Andere wiederum müssen höllisch aufpassen, es sich nicht mit den Kameraden zu verscherzen, weil sie noch tief in der Szene stecken. Für André K. dürfte beides gelten.

Deshalb hat K. seinen Anwalt Dirk Waldschmidt mitgebracht, einen früheren hessischen NPD-Kader. Für seine 38 Jahre wirkt K. alt, trägt Hörgerät und Halbglatze. Waldschmidt sagt, sein Mandant könne sich schlecht erinnern, sei mithin ein schutzbedürftiger Zeuge.

Dass K. einen Beistand braucht, sieht wohl auch die Bundesanwaltschaft so – sie hält den Zeugen keineswegs für einen Unbeteiligten, der sich nur zufällig im Umfeld des NSU aufhielt. Zu Beginn dieses Jahres nahm sie Ermittlungen gegen ihn auf, weil sie ihn als Terroristenhelfer verdächtigte. Mittlerweile sei das Verfahren jedoch "materiell einstellungsreif", wie Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten vergangene Woche mitteilte. K. bleibt dennoch vorsichtig.

K. kannte rechtsextremes Netzwerk in Thüringen gut

Er erzählt aus der Zeit, als sich in Ostdeutschland die Rechtsextremen zu Vereinigungen zusammenschlossen: Mitte der neunziger Jahre habe er sich in der Kameradschaft Jena engagiert, in der auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aktiv waren, zudem die Mitangeklagten Ralf Wohlleben und Holger G. K. beteiligte sich demnach auch am Aufbau des Thüringer Heimatschutzes – einer Organisation, in der unter anderem die Mitglieder der Kameradschaft aktiv waren und die vom V-Mann Tino Brandt geführt wurde.

Das rechtsextreme Netzwerk in Thüringen kannte K. also gut. Fragt Richter Manfred Götzl dann aber nach Details, fällt ihm nichts mehr ein. Erkundigt sich der Richter nach Namen, nennt er immer dieselben: Tino Brandt und "Ralf", also Wohlleben. So fahrig K. wirkt – er achtet akribisch darauf, nicht mehr als das zu verraten, was seit Langem aus den Akten bekannt ist und aus anderen Quellen hervorgeht. Sicher hat er mit seinem Anwalt genau besprochen, welche Worte an diesem Tag fallen sollen.

Götzl fragt, welche Meinung Zschäpe damals vertreten habe. K. windet sich, da müsse man differenzieren, sagt er. Es ist sein Lieblingssatz. K. wählt viele große Worte, er bastelt komplizierte Satzkonstruktionen – um am Ende nichts zu sagen. "Sie weichen mir aus!", schimpft der Richter. Dann fällt dem Zeugen doch noch etwas ein. Sie habe sich gegen Atompolitik und das Endlager in Gorleben engagiert: "Es kann nicht sein, dass die Industrie ihren Atommüll hier in der Erde verklappt!"