Vor dem Landgericht Hannover gibt es Widerstand gegen den Vorschlag, das Verfahren gegen Exbundespräsident Christian Wulff vorzeitig einzustellen . Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung sprachen sich gegen den Vorschlag von Richter Frank Rosenow aus, der eine Einstellung des Korruptionsprozesses angeregt hatte. Die in der Anklage formulierten Vorwürfe der Vorteilsnahme im Amt seien nach der ersten Bewertung der Kammer bislang nicht belegbar, hatte Rosenow gesagt.  

Die Staatsanwaltschaft lehnte dies nach einer kurzen Beratung ab. Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer sagte: "Die Zwischenbilanz der Kammer überzeugt uns nur teilweise." Aus seiner Sicht gibt es nach wie vor ausreichend viele Hinweise darauf, dass Wulff sich wissentlich von dem Filmfinancier David Groenewold habe einladen lassen. So sei etwa Groenewolds versuchte Verschleierung von Details auf der Hotelrechnung ein Beleg für die Absprache zur Vorteilsnahme mit Wulff. "Wulff musste die fehlenden Babysitterkosten auf seiner Rechnung vermissen", sagte er.


Die Verteidigung wertete die Stellungnahme des Richters als Erfolg. "Das Zwischenergebnis bestätigt die Verteidigung", sagte Verteidiger Bernd Müssig. Der primäre Vorwurf der Vorteilsnahme sei nicht nachweisbar. Der Vorwurf der Verschleierung seitens der Staatsanwaltschaft sei jedoch "ehrabschneidend". "Wir werden unserem Mandanten weiter raten, für seinen Freispruch zu kämpfen."

Erneute Befragung einer Oktoberfestbedienung

Wulff muss sich seit Mitte November wegen Vorteilsnahme als niedersächsischer Ministerpräsident verantworten, weil beim Besuch des Oktoberfests 2008 Filmfinancier David Groenewold Hotel- und Essenskosten bezahlt haben und Wulff im Gegenzug für eines seiner Filmprojekte geworben haben soll. Groenewold muss sich wegen Vorteilsgewährung verantworten.

Der achte Verhandlungstag war mit der Befragung einer Oktoberfestbedienung fortgesetzt worden. Die Österreicherin konnte sich jedoch kaum an den Besuch Wulffs im Käferfestzelt vor fünf Jahren erinnern. "Ich kann nicht mal mehr sagen, wer heuer gezahlt hat, ich habe so viele Gäste", sagte die Zeugin. Die 30-Jährige hatte wegen gesundheitlicher Probleme um eine Vernehmung in Innsbruck gebeten, die per Video in das Landgericht Hannover übertragen wurde.