Knapp vier Wochen nach Beginn des Prozesses gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff steht nun auch dessen ehemaliger Sprecher Olaf Glaeseker vor Gericht. Vor dem Landgericht Hannover muss sich der 52-Jährige wegen Bestechlichkeit verantworten.

Glaeseker hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in seiner Zeit als niedersächsischer Regierungssprecher korrupt verhalten, indem er sich von dem ebenfalls angeklagten Event-Manager Manfred Schmidt zu neun kostenlosen Urlauben in Spanien und Frankreich sowie 19 Flugreisen im Gesamtwert von etwa 12.000 Euro einladen ließ.

Der 52-Jährige soll Schmidt dafür von 2007 bis 2009 bei der Sponsorensuche für das Promi-Fest Nord-Süd-Dialog geholfen haben. Etwa 650.000 Euro Sponsorengeld soll Glaeseker akquiriert haben. Schmidt soll mit den drei Veranstaltungen etwa eine Million Euro Gewinn gemacht haben. Auf den Partys sollte ein Netzwerk zwischen Prominenten aus Niedersachsen und Baden-Württemberg aufgebaut werden.

Wulff soll als Zeuge aussagen

Glaeseker und Schmidt streiten die Vorwürfe ab: Ihre Freundschaft sei deutlich älter als der Nord-Süd-Dialog. Zudem handele es sich bei den Häusern in Spanien und Frankreich nicht um Feriendomizile, sondern um Schmidts jeweilige Wohnorte. Darüber hinaus sei die Sponsorensuche keine dienstliche Handlung gewesen, sondern eine Privathandlung im Landesinteresse.

Die Staatsanwaltschaft hingegen vermutet, dass es im Umfeld des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff mit "hinreichender Sicherheit zu Korruptionsstraftaten gekommen ist". Richterin Renata Bürgel hat den Prozess bis Mitte April 2014 angesetzt. Exbundespräsident Wulff soll Anfang Februar als Zeuge befragt werden. Auch Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen, eine Freundin Schmidts, soll als Zeugin aussagen.