Der wegen Bestechlichkeit angeklagte frühere Sprecher von Christian Wulff , Olaf Glaeseker, hat sich am zweiten Prozesstag tief enttäuscht von seinem früheren Chef gezeigt. Glaeseker sagte im Landgericht Hannover , der damalige niedersächsische Regierungschef und spätere Bundespräsident habe von seiner langjährigen Freundschaft zum Eventmanager Manfred Schmidt gewusst.

Es sei für ihn sehr verstörend gewesen, dass Wulff dies nicht habe bestätigen wollen. Glaeseker soll Schmidt gegen Gratis-Flüge und -Urlaubsreisen bei der Sponsorensuche geholfen haben. Wulff bestreitet bisher, Kenntnis von den Urlauben seines früheren Mitarbeiters bei Schmidt in Spanien und Südfrankreich gehabt zu haben.

In einer SMS vom 4. Januar 2012, die Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer im Prozess verlas, hatte der damalige Bundespräsident seinem kurz zuvor entlassenen Sprecher geschrieben: "Es nützt dir nichts, wenn ich davon weiß, aber es schadet mir massiv, ich steh hier unter Druck..." Ein von Wulff in der SMS angebotenes späteres Gespräch habe es nie gegeben, sagte Glaeseker.

Der frühere Wulff-Vertraute steht seit Montag vor Gericht, weil er dem mitangeklagten Partyveranstalter Schmidt zwischen 2007 und 2009 bei der Sponsorensuche für die Promi-Sause Nord-Süd-Dialog geholfen haben soll. "Ich habe es gemacht, weil ich wusste, dass die Veranstaltung im Landesinteresse gewesen war", sagte Glaeseker. 

Auch Wulff soll einzelne Sponsoren angesprochen haben

Auch Ministerpräsident Wulff habe einzelne Sponsoren angesprochen. Im Gegenzug soll Schmidt Glaeseker zwischen 2007 und 2009 Flüge und Gratis-Urlaube in seinen Häusern in Spanien und Frankreich spendiert haben. Aus Sicht der beiden befreundeten Angeklagten handelte es sich dabei aber nicht um Bestechung, vielmehr seien die Urlaube Teil ihrer engen persönlichen Beziehung gewesen.

Bei mehreren Aufenthalten in Schmidts Haus waren auch Wulffs erste Ehefrau Christiane und die gemeinsame Tochter Annalena dabei. "Hier ging es in erster Linie um die Unterstützung von Christiane und Annalena im Jahr nach der Ehekrise", sagte Glaeseker.

Oberstaatsanwalt Eimterbäumer verlas noch weitere Auszüge aus den SMS des damaligen Bundespräsidenten an Glaeseker zu den Urlauben. "Und ich bin davon ausgegangen, dass du bezahlst", schrieb Wulff darin. Glaeseker sagte, diese Reaktion sei ihm unverständlich gewesen. "Ich habe Christian Wulff immer so kennengelernt: Wenn er Freunde besucht, dass er bei denen nicht bezahlt."

Das Exstaatsoberhaupt muss sich selbst wegen Vorteilsannahme derzeit in Hannover vor Gericht verantworten. Für Februar ist seine Vernehmung als Zeuge im Glaeseker-Prozess vorgesehen.