Bei einer Explosion im Bahnhof der russischen Stadt Wolgograd sind am Sonntag mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen. Das berichten die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und RIA Novosti unter Berufung auf russische Behörden. "Ersten Ermittlungen zufolge ist am Eingang vermutlich ein Sprengsatz detoniert", berichtete die örtliche Polizei. Sie geht sogar von 18 Toten aus. Etwa 50 weitere Personen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt.

Ersten Erkenntnissen zufolge handle es sich um einen terroristischen Anschlag einer Selbstmordattentäterin, die Agentur Interfax zitierte später auch Ermittler, die von einem männlichen Täter ausgingen. Die Bombe sei am Eingang des Bahnhofs detoniert. Dort warteten wegen der Neujahrsferien besonders viele Menschen an einer Sicherheitsschleuse auf die Kontrolle ihres Gepäcks. 

Die Explosion tötete auch mindestens ein Mitglied der Sicherheitskräfte. Das Gebäude wurde evakuiert. Polizisten mit Spürhunden suchten das Gelände nach Spuren und möglichen weiteren Sprengsätzen ab. Die Gebietsverwaltung von Wolgograd, dem früheren Stalingrad, verhängte eine dreitägige Trauer. Präsident Wladimir Putin forderte eine schnelle Aufklärung des Anschlags und sagte Verletzten und Angehörigen unbürokratische Hilfe zu. 

700 Kilometer von Sotschi entfernt

Die Stadt Wolgograd liegt rund 700 Kilometer von Sotschi entfernt, wo im Februar die Olympischen Winterspiele stattfinden. Der tschetschenische Islamistenführer Doku Umarow hatte zu Anschlägen aufgerufen, um die Spiele zu stören.  

Im Juli veröffentlichte Umarow auf der in Russland verbotenen Website kavkazcenter.com ein Video, in dem er zu Anschlägen auf die Olympischen Spiele aufruft. Das Sportereignis müsse "mit allen Mitteln, die Allah erlaubt", verhindert werden, sagte der Islamistenführer. Dass er im Februar 2012 ein Ende der Anschläge angeordnet habe, sei ein Fehler gewesen, sagte der 49-Jährige. Damit erlaubte er nach anderthalbjähriger Pause ausdrücklich wieder Anschläge auf Zivilisten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte im Juli gelassen auf das Video reagiert. Auch die russische Regierung hatte sichere Winterspiele versprochen.

Der "Bin Laden Russlands" 

Doku Umarow ist ein international gesuchter Terrorchef, der auch als "Bin Laden Russlands" bezeichnet wird. Er hatte sich unter anderem zu Attentaten auf die Moskauer U-Bahn 2010 und den Flughafen Domodedowo 2011 mit insgesamt fast 80 Toten bekannt. Umarow wirft dem Kreml eine "barbarische Besatzungspolitik" im Nordkaukasus vor. Er kämpft für einen von Moskau unabhängigen kaukasischen Staat in der Vielvölkerregion.   

In Sotschi hatte es vor Beginn der Bauarbeiten für Olympia wiederholt Anschläge gegeben. Auf den Bauplätzen arbeiten Tausende Hilfskräfte aus den islamisch geprägten Regionen Kaukasus und Zentralasien.

Im Oktober waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus in Wolgograd, rund 900 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Moskau, sechs Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt worden. Als Attentäterin machten die Behörden eine sogenannte Schwarze Witwe, die Frau eines radikalislamischen Extremisten aus der unruhigen russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus, aus.

Erst am Freitagabend hatte die Explosion einer Autobombe vor einer Polizeistation in Pjatigorsk im Nordkaukasus drei Menschen getötet. Die Behörden vermuten einen terroristischen Hintergrund. Pjatigorsk ist rund 250 Kilometer von Sotschi entfernt.