Mit Drohungen hat ein US-Kongressabgeordneter auf unangenehme Fragen eines Reporters reagiert. Er werde ihn beim nächsten Mal vom Balkon des Kapitols werfen und ihn in Stücke hauen, sagte der Republikaner Michael Grimm vor laufender Kamera, wie ein Video zeigt.

Nach der Rede von Präsident Barack Obama zur Lage der Nation wollte Reporter Michael Scotto vom Sender NY1 noch eine Frage zu laufenden Ermittlungen gegen die Wahlkampffinanzierung des Abgeordneten loswerden – kam aber nicht dazu. Grimm unterbrach ihn mit den Worten: "Ich beantworte keine Fragen zu anderen Themen", es gehe nur um die Rede des Präsidenten – drehte sich um und verschwand aus dem Bild. Die Kamera lief weiter.

"Der Kongressabgeordnete Michael Grimm möchte nicht über einige der Vorwürfe gegen ihn und die Finanzierung seiner Kampagne sprechen", sagte der Reporter in die Kamera. "Wir wollten ihn zu diesem Thema vor die Kamera bekommen, aber wie Sie gerade sehen konnten, hat er sich geweigert darüber zu sprechen. Zurück ins Studio."   

Grimm kam aber noch einmal zurück und bedrängte den Reporter, körperlich und verbal. "Lassen Sie mich ganz deutlich werden: Wenn Sie das noch einmal machen, werfe ich Sie von diesem verdammten Balkon", sagte der Abgeordnete laut Skript von NY1. Und fügte hinzu: "Sie sind nicht Manns genug. Ich werde Sie in Stücke schlagen wie einen kleinen Jungen." Die Kamera lief währenddessen weiter.

Der politische Geschäftsführer des Senders, Bob Hardt, reagiert mit einem tweet und veröffentlichte später auch eine Erklärung. Darin nannte er das Verhalten des Politikers laut CNN "inakzeptabel". Es sei extrem verstörend, wenn jemand einen der Reporter bedrohe, so Hardt, "ganz zu schweigen von einem US-Kongressabgeordneten". Er verlangte eine klare Entschuldigung von Grimm.

Dazu sieht der Abgeordnete aber keinen Grund. "Ich bin sicher, dass ich nicht der erste im Kongress bin, der einen Reporter beschimpft und ich bin auch sicherlich nicht der letzte", heißt es in einer Erklärung, die der Politiker abgab. Er versucht sich zu rechtfertigen: "Ich war extrem verärgert, weil ich dem Sender einen Gefallen getan habe, indem ich NY1 das erste Interview gegeben habe, obwohl es mehrere Anfragen gab." Der Reporter habe gewusst, dass er in Eile gewesen sei und nur die Rede Obamas kommentieren wollte. "Trotzdem hat er diesen respektlosen und billigen Versuch am Ende des Interviews unternommen", schreibt Grimm in der Erklärung.  

Gegen den republikanischen Politiker, der die Bezirke Staten Island und Teile von Brooklyn im Kongress repräsentiert, laufen Ermittlungen des Justizministeriums wegen illegaler Wahlkampffinanzierung während seiner Kampagne im Jahr 2010.