Papst Franziskus will den Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, gemeinsam mit 18 weiteren Würdenträgern in den Kardinalsstand erheben. Die Ernennung soll in einem Konsistorium am 22. Februar erfolgen. Der Pontifex gab die Liste der künftigen Purpurträger während des Angelusgebets auf dem Petersplatz in Rom bekannt.

Die neuen Kardinäle stammten aus zwölf Ländern und allen Teilen der Welt, sagte Franziskus. Das spiegle die tiefen Beziehungen zwischen der Kirche im Vatikan und in den anderen Erdteilen. Sie sollen Franziskus "als Bischof von Rom in seinem Dienst an der Kirche unterstützen".

Kardinal Müller gilt als enger Vertrauter des emeritierten Papstes Benedikt XVI. und als Franziskus' hartnäckigster Gegner. Der amtierende Papst und der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre sind in vielen Punkten unterschiedlicher Meinung. Während Franziskus Verständnis für Wiederverheiratete und Schwule predigt, pocht Müller auf Verbote. In Deutschland sorgte zuletzt für Aufsehen, dass Müller sich für den in die Kritik geratenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst einsetzte. Franziskus hatte Tebartz-van Elst eine Auszeit verordnet.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bezeichnet die Kardinalserhebung Müllers als persönliche Auszeichnung von dessen Wirken als Theologe. "Deine langjährige Verantwortung als Professor für Dogmatik und deine mittlerweile über 400 wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Theologie zeigen deine Schaffenskraft und dein reiches theologisches Wissen", teilte Zollitsch mit.

16 der neuen Kardinäle sind jünger als 80 Jahre und wären damit bei einer Papstwahl stimmberechtigt. Darunter sind neben Müller allerdings nur zwei weitere Europäer. Der Erzbischof von Westminster und Vorsitzende der katholischen Bischöfe von England und Wales, Vincent Nichols, erhält die Kardinalswürde gemeinsam mit dem Bischof von Perugia, Gualtiero Bassetti. 

Franziskus will die Kirche internationaler machen

Mit den Erzbischöfen von Rio de Janeiro, Buenos Aires, Santiago de Chile und Managua rief der Papst vier Lateinamerikaner in das oberste Gremium der Katholischen Kirche. Aus Afrika stammen zwei neue Kardinäle, die Erzbischöfe der Hauptstädte von Burkina Faso und der Elfenbeinküste. Je einen weiteren Kardinal ernannte Franziskus aus Kanada, Südkorea, den Philippinen und Haiti.

Franziskus' Vorgänger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., hatte den bereits begonnenen Prozess der Internationalisierung des Kardinalskollegs mit der Ernennung überdurchschnittlich vieler Italiener wieder rückgängig gemacht. Die Liste der neuen Kardinäle entspricht hingegen der Forderung des derzeitigen Kirchenoberhaupts, die Kirche müsse sich stärker um Menschen am Rand der Gesellschaft sowie um Länder bemühen, die nicht im Mittelpunkt des internationalen Interesses stehen.