Wegen eines Überfalls auf eine aus Syrien stammende Familie in Sachsen-Anhalt sind zwei Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Halle/Saale sprach sie der gefährlichen Körperverletzung schuldig und verhängte vier beziehungsweise drei Jahre Gefängnis. Einen dritten Angeklagten verurteilte die Kammer zu einer zweijährigen Jugendstrafe, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Im April 2012 hatten die damals 18, 24 und 31 Jahre alten Männer mehrere Mitglieder der Familie auf dem Volksfest Eisleber Frühlingswiese angegriffen und geschlagen. Bei dem Überfall wurde eines der Opfer so schwer im Gesicht verletzt, dass es nur aufgrund einer Notoperation überlebte.

Das Gericht sprach in seiner Urteilsverkündung von einer menschenverachtenden Gesinnung. Der damals 18-jährige Hauptangeklagte soll die Schlägerei ohne ersichtlichen Grund angefangen haben, hieß es von Seiten der Anklage. Er sei betrunken gewesen, auf die Familie losgestürmt und habe mit einem Schlagring auf sein Opfer eingeschlagen, während er ausländerfeindliche Parolen rief. Seine beiden Mitangeklagten sollen den Rest der Familie mit einem Schlagstock angegriffen und eine Frau bewusstlos getreten haben.

Vor 20 Jahren war die Familie aus Syrien geflohen, seit 17 Jahren in Eisleben zu Hause. Die älteste Tochter arbeitete als Arzthelferin, der Sohn machte Abitur und die jüngste Tochter stand ebenfalls kurz vor dem gymnasialen Abschluss, als die Tat geschah. 

Ermittlungen zum Überfall begannen erst Monate später

Oberstaatsanwalt Thomas Westerhoff sagte der Süddeutschen Zeitung, die Familie habe sich integriert und sei vertrieben worden. "Selbst die Frauen wurden geschlagen." Alles spreche für eine fremdenfeindliche Tat. 

Doch seine Behörde sah das offenbar lange nicht so. Erst neun Monate nach dem Angriff begann die Staatsanwaltschaft Halle mit ihren Ermittlungen. Einen Haftbefehl gegen die Täter beantragte sie nicht, reichte stattdessen Klage beim Amtsgericht ein, das für kleinere Delikte zuständig ist. Das wies den Fall dann an das Landgericht weiter.