Eine Woche nach dem brutalen Überfall von Rechtsextremen auf eine Kirmesgesellschaft im thüringischen Ballstädt hat die Polizei vier Männer festgenommen. Es werde nun ein Antrag auf Haftbefehl gegen die Beschuldigten geprüft, sagte Anette Schmitt-ter Hell von der Erfurter Staatsanwaltschaft. Zuvor war bei einer Razzia neues Beweismaterial sichergestellt worden. Beamte hatten am Samstag neben einem Haus mit Bewohnern der rechten Szene in Ballstädt noch vier weitere Privatwohnungen in Thüringen durchsucht.

Eine Gruppe von bis zu 20 Rechtsextremen hatte in der Nacht zum 9. Februar eine Kirmesfeier in Ballstädt überfallen und dabei zehn Menschen verletzt, einige davon schwer.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch und Raubes, wie der MDR berichtet.  Der Thüringische Innenminister Jörg Geibert hatte zuvor gesagt, es gebe vier Hauptverdächtige im Alter zwischen 25 und 33 Jahren. Unter ihnen seien eine Frau und ein vorbestrafter Rechtsextremist. Alle würden die Tat aber bestreiten. Ob einer oder mehrere dieser Verdächtigen unter den jetzt Festgenommenen sind, wurde zunächst nicht bekannt.

Die Thüringer Neonazi-Szene ist nach Angaben von Aussteigern längst wieder gefährlich geworden. In Gotha etwa gibt es eine Kameradschaftsszene, deren Mitglieder zum Teil gewaltbereit sind.  

In Ballstädt haben Rechtsextremisten im Jahr 2012 das Haus einer ehemaligen Bäckerei gekauft, das auch als "Gelbes Haus" bekannt ist. Das Haus gilt als Treffpunkt der rechten Szene in der Region. Zwei Mitglieder der Ballstädter Gruppe wurden im vergangenen Jahr wegen Kontakten zur österreichischen Neonazikameradschaft Objekt 21 an die österreichischen Behörden ausgeliefert. Objekt 21 gilt als eine der gefährlichsten rechtsextremistischen Organisationen in Europa.