Michael Dunn hat in Florida einen schwarzen Teenager erschossen – und steht nun vor Gericht. Es geht um die Frage, ob er aus Notwehr gehandelt hat oder ein rassistisches Motiv hinter seiner Tat vom November 2012 steht. Bei einer Verurteilung droht Dunn lebenslange Haft, die Todesstrafe lehnt die Staatsanwaltschaft ab.

Der Fall erinnert an George Zimmermann, der im Februar 2012 – ebenfalls in Florida – den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin erschossen hatte und damit eine heftige Debatte über Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft ausgelöst hatte. Der Schütze wurde im Juli des vergangenen Jahres freigesprochen. Es folgten landesweite Proteste. Schwarze Bürgerrechtler werden deshalb wieder genau hinsehen, wenn in Jacksonville, Florida nun der Prozess gegen den 47-jährigen Softwareingenieur Dunn beginnt.

In den Gerichtsdokumenten steht, es habe einen Streit wegen zu lauter Musik gegeben – und Dunn habe auf dem Gelände einer Tankstelle mehrfach auf den roten Geländewagen geschossen, in dem vier Jugendliche saßen. Der 17-jährige Jordan Davis starb.

Die Staatsanwaltschaft wirft Dunn vor, er habe aus rassistischen Motiven gehandelt und einen wehrlosen Jugendlichen erschossen. Der Schütze selbst aber behauptet, er habe im Auto der Teenager eine Waffe entdeckt – und deshalb geschossen. Er will aus Notwehr gehandelt haben, wie auch George Zimmerman. "Nach mehreren Drohungen von Jordan Davis, der eine Waffe schwenkte, war ich sicher, dass mein Leben in Gefahr ist", schrieb Dunn in einem Brief an den TV-Sender FCN. Er habe keine Wahl gehabt, als sich zu verteidigen. In dem Brief beschriebt er Davis als "Gangster", der drohte, ihn umzubringen, nur weil er ihn bat, die Musik leiser zu stellen. 

Die Polizei hat in dem Wagen der Jugendlichen jedoch keine Waffe gefunden. Ob die Ermittler gründlich genug gesucht haben, muss im Prozess geklärt werden. 

Davis' Eltern sind überzeugt, dass Ressentiments gegenüber Schwarzen beim Tod ihres Sohnes eine Rolle spielten. "Es war ein ganz bestimmter Hass, den dieser Mensch auf meinen Sohn als schwarzes Kind hatte", hatte sein Vater Ron 2013 gesagt. 

Zweite Chance für Staatsanwältin Corey

In den USA gibt es ein umstrittenes Gesetz, das die Anwendung tödlicher Gewalt in mehreren Bundesstaaten zulässt. Es heißt "Stand Your Ground" –"Verteidige Deinen Boden". George Zimmmerman wurde auch deshalb freigesprochen, weil Juristen in Florida die Regelung besonders weit ausgelegt haben. In Kapitel 776 der Satzung Floridas heißt es, dass Gewalt mit – unter Umständen tödlicher – Gewalt beantwortet werden darf und niemand "zurückweichen" muss, wenn er sich bedroht fühlt.

Seit dem Tod ihres Sohnes sind die Eltern von Jordan Davis Befürworter der Waffenkontrolle, zudem setzen sie sich für eine Änderung der Gesetzeslage in Florida ein.  Sie wollen ein Ende der "Stand Your Ground"-Richtlinie.

Zimmerman wurde freigesprochen – für Michael Dunn könnte der Prozess anders enden. "Sie werden ihn verurteilen", sagte Alan Dershowitz, Jura-Professor an der Harvard-Universität, in einem Interview mit dem Sender CNN. Dunn habe keine Verletzungen gehabt, anders als bei George Zimmermann habe es vor den Schüssen keine körperliche Auseinandersetzung gegeben, sagte auch Zimmermans Verteidiger Mark O'Mara.  

Staatsanwältin Angela Corey dürfte im Prozess versuchen, ihr beschädigtes Image zu verbessern. Sie war es, die vergeblich versucht hatte, den Todesschützen Zimmerman hinter Gitter zu bringen. Nach Angaben des zuständigen Richters Russell Healey wird der Prozess wohl nicht länger als zwei Wochen dauern.