Im Korruptionsprozess gegen seinen früheren Sprecher Olaf Glaeseker hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff als Zeuge ausgesagt. Anders als bei einer Aussage 2012 bestätigte Wulff jetzt, von den Urlauben seines einstigen Vertrauten beim mitangeklagten Partymanager Manfred Schmidt sowie von deren Freundschaft gewusst zu haben. "Olaf erzählte gelegentlich, das er sich mit Manfred getroffen hat", sagte Wulff vor dem Landgericht Hannover. Die im Mittelpunkt des Prozesses stehenden Reisen seien ihm inzwischen wieder eingefallen. 

Wulff widersprach bei seiner Zeugenaussage Darstellungen, er sei mit Glaeseker befreundet gewesen. Er bezeichnete seinen früheren Sprecher zwar als engsten Mitarbeiter. Beide hätten sich beruflich "grenzenlos vertraut", sie hätten aber über Privates wenig gesprochen. "Es muss auch eine Selbstschutzgrenze geben", sagte Wulff.

Wulff hatte Glaeseker als Sprecher des Bundespräsidialamtes im Dezember 2011 entlassen, als immer mehr Vorwürfe gegen ihn selbst laut wurden. Später trat Wulff von seinem Amt zurück.    

Das Landgericht Hannover erhofft sich von Wulff Informationen zur Organisation und Bedeutung der umstrittenen Veranstaltung Nord-Süd-Dialog, die von 2007 bis 2009 drei Mal in Stuttgart und Hannover stattfand. Mit der Veranstaltung sollte das Image des Landes Niedersachsen gefördert werden, dessen Ministerpräsident Wulff damals war. Organisiert wurde das Fest aber nicht von einer staatlichen Stelle, sondern von Partymanager Schmidt, der damit hohen Gewinn gemacht haben soll.

Glaeseker ist wegen Bestechlichkeit, Schmidt wegen Bestechung angeklagt. Glaeseker soll als Staatssekretär und Pressesprecher des damaligen Ministerpräsidenten Wulff Sponsoren für Veranstaltungen von Schmidt geworben haben. Im Gegenzug soll Schmidt ihm Freiflüge und Urlaubsaufenthalte finanziert haben. Schmidt und Glaeseker begründen die Reisen mit ihrer engen Freundschaft.

"Hannover ist nicht der Hotspot ohne Weiteres"

Zur Rolle Glaesekers bei dem Nord-Süd-Dialog sagte Wulff: "Er war für die Betreuung meiner Schirmherrschaft verantwortlich." Er räumte auch ein, er habe selbst ein hohes Interesse am Gelingen der Veranstaltung gehabt, um die Landeshauptstadt Hannover aufzuwerten: "Hannover ist nicht der Hotspot ohne Weiteres."

Wulff hatte in polizeilichen Vernehmungen ausgesagt, weitgehend Unkenntnis von Glaesekers Aktivitäten gehabt zu haben. Dem hatten mehrere Zeugen im Glaeseker-Prozess widersprochen. Sollte Glaeseker verurteilt werden, könnte dies strafrechtliche Konsequenzen für Wulff als damaligen Dienstherrn haben.

Glaeseker hat bereits als Zeuge im Wulff-Prozess ausgesagt

Am 22. Januar hatte Glaeseker im Korruptionsprozess gegen Wulff als Zeuge ausgesagt, jedoch nur wenig zur Aufklärung der Vorwürfe beigetragen. Weder die Umstände des Oktoberfestbesuchs von Wulff im Jahr 2008 noch Details rund um ein Filmprojekt des mitangeklagten David Groenewold seien ihm noch im Gedächtnis, sagte Glaeseker vor dem Landgericht Hannover. "Daran kann ich mich nicht erinnern", erklärte er mehrfach auf Fragen der Staatsanwaltschaft.