Mehr als 4.200 Frauen sitzen nach Angaben von Menschenrechtlern illegal in irakischen Gefängnissen. Viele von ihnen würden gefoltert und vergewaltigt, teilte Human Rights Watch in einem Bericht mit.  

Die meisten Frauen würden nicht wegen Vorwürfen gegen sie selbst festgenommen, sondern um an Informationen über Verwandte und Bekannte zu kommen. Nur wenige Insassinnen berichteten von Vorwürfen, die sich gegen sie selbst richteten. Laut dem Bericht müssten viele der Frauen Monate oder gar Jahre warten, bis sie einem Richter vorgeführt werden. Die meisten haben keinen Kontakt mit einem Anwalt.

Der 105-seitige Bericht stützt sich auf die Aussagen von 27 befragten Frauen, ihres Umfeldes sowie auf Gefängnisärzte und  Gerichtsdokumente. Die befragten Frauen gaben an, geschlagen, getreten und sexuell missbraucht worden zu sein – mitunter vor den Augen ihrer männlichen Verwandten. Einige berichteten auch von Elektroschocks.

Eine Frau kam demnach an Krücken zum Gesprächstermin mit Human Rights Watch. Sie sei neun Tage misshandelt worden und konnte kaum noch gehen. Narben und Verletzungen auf ihrem Körper hätten ihre Angaben bestätigt. Sieben Monate nach ihrer Befragung sei die Frau hingerichtet worden  – obwohl ein Gerichtsbeschluss angeordnet hatte, sie nicht länger festzuhalten.

Die meisten Gefangenen sind Sunniten

"Irakische Sicherheitskräfte und Beamte verhalten sich so, als würden brutale Misshandlungen von Frauen das Land sicherer machen", sagte Joe Stork von Human Rights Watch. Tatsächlich aber führten diese Verbrechen zu einem "tief sitzenden Zorn" und einem Vertrauensverlust zwischen den irakischen Gemeinden und den Sicherheitskräften. "Alle Iraker zahlen den Preis dafür", sagte Stork.

Die sunnitische Minderheit im Irak fühlt sich von der schiitisch dominierten Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki an den Rand gedrängt und unterdrückt. Die meisten der inhaftierten Frauen gehören der sunnitischen Minderheit an. In den vergangenen Monaten hat die Gewalt im Irak wieder zugenommen.