Die UN-Botschafter Russlands und der USA haben sich einen kuriosen verbalen Schlagabtausch wegen der russischen Protestband Pussy Riot geliefert. Anlass war ein Treffen von US-Botschafterin Samantha Power mit zwei Mitgliedern der Gruppe, die kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen waren.

Power twitterte nach dem Treffen, sie habe "zwei mutige Störenfriede" getroffen. Und: Auf die Frage, ob sie Angst vor dem Gefängnis gehabt haben, hätten Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa geantwortet: "Nein. Im Gefängnis konnten wir die schrecklichen Zustände sehen. Das war Feldforschung für Menschenrechte."

Als der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin auf einer Pressekonferenz auf Powers Treffen mit den Musikerinnen angesprochen wurde, fragte er spöttelnd: "Sie hat sich jetzt aber nicht der Band angeschlossen?" Er würde von ihr erwarten, dass sie Pussy Riot zu einem Auftritt in die National Cathedral in Washington einlade. "Vielleicht können sie ja sogar eine Welttournee organisieren – Petersdom in Rom, Mekka in Saudi-Arabien und die Klagemauer in Jerusalem." Er wäre doch schwer enttäuscht, wenn Power dahinter zurückbleiben würde.

Power ließ sich auf das Spiel ein und erwiderte auf Twitter: "Botschafter Tschurkin. Es wäre mir eine Ehre, mit Pussy Riot auf Tournee zu gehen – eine Gruppe Mädchen, die für Menschenrechte die Stimme erhebt und aufsteht. Wollen Sie sich uns nicht anschließen?", schrieb die Diplomatin. Sie selbst könne zwar nicht singen, aber wenn Pussy Riot sie fragen würde, dann würde sie das erste Konzert für die politischen Gefangenen in Russland geben.

Aljochina und Tolokonnikowa sind in den USA, um an einem Konzert der Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilzunehmen. Die beiden Frauen waren im Dezember nach beinahe zwei Jahren Haft aus dem Gefängnis freigelassen geworden. Sie waren verurteilt worden, weil sie ein Protestkonzert in einer russischen Kirche gegeben hatten.