Die Staatsanwaltschaft Gera soll 1998 die Löschung von aufgezeichneten Telefonaten des mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt veranlasst haben. Das berichtet das ARD-Magazin Fakt. Dem Bericht zufolge umfasste das Material mehrere Stunden Gespräche, die Böhnhardt innerhalb von vier Wochen mit seinem Handy geführt habe. Die Überwachung durch das Bundeskriminalamt habe nach dem Untertauchen des NSU-Mitglieds in Jena stattgefunden.

Verbindungsdaten sowie Standortinformationen seien nicht gelöscht worden. Somit hätten Hinweise auf Kontaktpersonen und Aufenthaltsorte des Überwachten weiter vorgelegen. Die Fahnder hätten darin aber keinen Ermittlungsansatz gesehen. Böhnhardts Handy soll noch mindestens einen Monat nach Ende der Überwachung aktiv gewesen sein.

Zu den Gesprächspartnern zählten laut dem Bericht auch André K. und Ralf Wohlleben. Allein mit K. seien in den vier Wochen 23 Gespräche geführt worden, mit Wohlleben mindestens zwölf. Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München ist Wohlleben neben Beate Zschäpe mitangeklagt, K. wurde bereits zwei Mal als Zeuge gehört, wurde aber nicht zu Gesprächen dieser Art befragt. Er gab jedoch zu, dem NSU gefälschte Pässe besorgt zu haben.

Ströbele fordert Aufklärung von der Bundesregierung

Der Obmann des ehemaligen NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Clemens Binninger (CDU), sagte, es sei ein Rätsel, warum die Daten nicht von den Ermittlern genutzt worden seien. Hans-Christian Ströbele (Grüne), der ebenfalls Mitglied des Ausschusses war, sagte: "Wir werden, wenn wir solche Fakten jetzt zur Kenntnis nehmen, Fragen an die Bundesregierung richten. Das muss geklärt werden."

Uwe Böhnhardt werden ebenso wie Uwe Mundlos zehn Morde und zwei Bombenanschläge zur Last gelegt. Die Opfer des NSU waren Geschäftsleute ausländischer Herkunft und eine Polizistin. Nach einem missglückten Banküberfall soll Mundlos im November 2011 zunächst Böhnhardt erschossen und sich dann selbst getötet haben, um der Festnahme durch die Polizei zu entgehen.