Von der verschwundenen Maschine der Malaysia Airlines fehlt auch nach Tagen intensiver Suche jede Spur. Ein Verdacht ist jedoch inzwischen weitgehend ausgeräumt: Die beiden Iraner mit gestohlenen Pässen an Bord waren wohl keine Terroristen, sondern Asylsuchende, die mit den falschen Dokumenten von Peking nach Deutschland und Dänemark weiterreisen wollten. 

Dennoch wirft der Fall neue Fragen auf, wie sicher der internationale Flugverkehr ist. Die ernüchternde Antwort: Man kann nicht ausschließen, dass auch in Frankfurt oder München Passagiere mit geborgter Identität ins Flugzeug steigen. Denn im Schengen-Raum müssen sich Flugreisende nicht ausweisen. 

Auslöser der Debatte war die scharfe Kritik an den malaysischen Sicherheitskontrollen. Weder Fluggesellschaft noch die Sicherheitsbeamten hätten die Daten der Flugzeuginsassen mit der Interpol-Datenbank abgeglichen, in der die beiden Pässe als gestohlen gemeldet waren, echauffierte sich Interpol-Generalsekretär Ronald Kenneth Noble: "Es ist sehr beunruhigend, dass Passagiere an Bord eines internationalen Fluges mit einem von Interpol als gestohlen registrierten Pass gelangen konnten." Noble forderte Fluglinien und Polizeibehörden auf, Fluggastdaten systematisch mit der Interpol-Datenbank abzugleichen. Lediglich die USA, Großbritannien und Saudi-Arabien täten dies in größerem Umfang.

Ein Blick auf Deutschland zeigt allerdings, dass ein automatischer Abgleich mit der Interpol-Datenbank gar nicht umsetzbar wäre. Zum einen, weil es bei Flügen im Schengenraum überhaupt keine polizeilichen Grenzkontrollen mehr gibt. Seit 1995 überprüft die Bundespolizei nur noch Passagiere, die aus Nicht-Schengen-Ländern anreisen oder in diese reisen. Zum anderen, weil das Schengener Abkommen einen standardmäßigen Abgleich der Fluggastdaten verbietet. Bürger aus den Schengenstaaten dürfen nicht automatisch mit Fahndungslisten wie von Interpol abgeglichen werden. Bei Personen aus Drittstaaten, die in den Schengenraum einreisen, gilt dagegen generell die Pflicht, ihre Reisedokumente zu prüfen.

Fahndungspflicht nur bei Drittstaatlern

Diese Unterscheidung nach Herkunft stellt die Bundespolizei jedoch vor ein Problem, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilt. Denn es bedeutet: Wer einmal nach Europa gelangt, dessen Identität wird erst wieder geprüft, wenn er den Schengenraum verlässt. Dass ein Drittstaatler mit legalen Papieren in den Schengenraum einreist und dort mit gefälschten Papieren wieder an Bord geht, kann die Polizei deshalb grundsätzlich nicht verhindern.

Dasselbe gilt für Reisende aus den Mitgliedsländern. Auch in ihrem Fall muss ein konkreter Verdacht vorliegen, um die Passdaten mit einer Fahndungsliste oder -datei abgleichen zu können. Welche Kriterien das sind, ist unklar. "Da gibt es keine Vorgaben. Das hängt viel mit der persönlichen Erfahrung der Grenzbeamten zusammen", sagt Christian Köglmeier von der Bundespolizei am Flughafen München.

Hat ein Beamter einen Verdacht, hält er den Pass oder den Ausweis an ein Gerät, das die maschinenlesbaren Angaben einliest. Die Passdaten werden mit Einträgen in der nationalen Fahndungsdatenbank des BKA, im Schengener Informationssystem (SIS) und der Europol-Datenbank INPOL abgeglichen. Zudem können die Beamten bei "Auffälligkeiten" des Reisenden zusätzlich auf die ASF-SLTD-Datenbank von Interpol zugreifen, in der rund 40 Millionen gestohlene und verlorene Reisedokumente vermerkt sind. Die Treffer werden den Beamten unmittelbar angezeigt.