Im Bistum Limburg wurde geprotzt, getrickst und verheimlicht. Und es wurde geglaubt und verdrängt, wo man hätte rechnen und nachfragen müssen. Das sagt der Prüfbericht über den Bau der Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg, der den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sein Amt kostete. Das Dokument listet stocknüchtern Fakten auf und leuchtet auf 108 Seiten in jeden Winkel des Bauvorhabens.

Der am Mittwoch veröffentlichte Prüfbericht zeigt zwei Seiten der katholischen Kirche: Eine von Würdenträgern, die Macht, Kunst und Aufwand als Ausdruck ihrer Weihe rechtfertigen, als lebten sie noch im 17. Jahrhundert. Diese Seite verheimlicht zugleich ihren Prunk und dessen Kosten vor dem Kirchenvolk. Und das um fast jeden Preis.

Aber es gibt auch eine andere, eine neue Seite, die weiß, dass dem Wahrheitsanspruch der christlichen Botschaft die Klarheit des Handelns entsprechen muss. Sie will Konsequenzen daraus ziehen, dass Prunk und Selbstherrlichkeit das kirchliche Vertrauenskapital haben erschüttern lassen. Und dass Katholiken längst nicht mehr glauben, was sie glauben sollen, weder Dogmen noch altväterliche Bekundungen von Bischöfen, sie hätten nur das Beste im Sinn und das reine Wort Gottes auf den Lippen.

Verschwiegenheits-Verpflichtungen für Mitarbeiter

Wer trägt die Schuld? Manfred Grothe windet sich, als er danach gefragt wird. Der Paderborner Weihbischof hat die fünfköpfige Kommission geleitet, die den Bericht im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellte. Der Papst hat ihn jetzt zum Administrator, also zum Interimschef des Limburger Bistums berufen. Er solle über niemanden zu Gericht sitzen, hat ihm die Bischofskongregation gesagt. Dann spricht er doch von Schuld, die nicht einer allein, sondern mehrere auf sich geladen haben. 

Das kann man auch in dem Bericht lesen. Er belastet Tebartz schwer: Der Bischof habe schon Anfang 2013 gewusst, dass der Bau 31 Millionen koste. Da ließ er seinen Sprecher noch von weniger als zehn Millionen reden.

Und Tebartz hat, so der Bericht, die Mitarbeiter der Architekten einzeln zur Verschwiegenheit verpflichten lassen, besonders im Hinblick auf die Kosten. 2009 ließ der Limburger Bischoff den Startschuss zum Bau geben, obwohl die Planung zwischen Wünschen, Finanzen und Verantwortbarkeit festgefahren war. Im gleichen Jahr probte eine Gruppe unter den 250 Priestern des Bistums den ersten Aufstand gegen ihn. In einem "Aufschrei" warfen sie Tebartz vor, was später der Bau widerspiegelte: Hochglanzkitsch, selbstverliebte Rituale und klerikalen Dünkel. Sie warnten vor einer "Gemeinschaft der Kopfnicker und Nachbeter". Der Bericht zeichnet akribisch nach, wie sich diese Gemeinschaft beim Bau etablierte. Und wie recht die Journalisten hatten, die im vergangenen Jahr ein teures Detail nach dem anderen ans Licht zogen.