Drei Mitarbeiter eines bayerischen Aufnahmelagers für Flüchtlinge müssen sich seit Dienstag in einem Prozess wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten. Neben einer Angestellten des Heims in Zirndorf sind zwei Pförtner angeklagt, gegen sie wird auch der Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung erhoben.

Die Pförtner sollen sich geweigert haben, einen Arzt oder einen Rettungswagen für ein gut ein Jahr altes Kind aus dem Flüchtlingsheim zu rufen. Das Gesicht des Jungen soll schmerzverzerrt gewesen sein, außerdem habe er schwarze Flecken auf der Haut gehabt. "Ich habe auf Knien gelegen und um Hilfe gefleht", sagte der aus Serbien stammende Vater.

Statt einen Notarzt zu rufen, hätten die Pförtner ihn aufgefordert, sich zunächst einen Krankenschein zu besorgen. Eine Angestellte des Heims stellte das Dokument schließlich aus, rief aber ebenfalls keinen Arzt. Vor Gericht sagte sie, sie habe es für zumutbar gehalten, dass die Familie mit dem Kind ein bis zwei Kilometer zu einem niedergelassenen Arzt laufe.

Erst durch die Hilfe eines Autofahrers, der die Familie mit dem regungslosen Kind auf der Straße auflas, kam der Junge in ärztliche Behandlung. Es stellte sich heraus, dass er an einer starken bakteriellen Infektion erkrankt war. Er wurde seitdem mehrfach operiert und hatte zahlreiche Hauttransplantationen. Mehrmals am Tag müsse er mit einer Spezialcreme behandelt werden, damit die Narben nicht aufbrechen, hieß es.  

Wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung ist zudem ein Bereitschaftsarzt angeklagt. Er war bereits eine Nacht vor dem Vorfall, der sich 2011 ereignete, gerufen worden, weil die Eltern bei ihrem Kind Fieber vermuteten. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass er den Jungen nur oberflächlich untersuchte und deshalb die lebensbedrohliche Situation nicht erkannte.