"Napuli ist eine zentrale Figur des Protestes", sagt Aslı Özarslan. Die Filmemacherin hat die Aktivistin vier Monate lang begleitet, in zwei Wochen kommt ihre Doku Insel 36 in die Kinos. Alle Flüchtlinge im Camp seien mit ihren Problemen zu Napuli Langa gekommen, sagt Özarslan. An diesem Samstagabend ist Özarslan zum Oranienplatz gekommen, um zu sehen, wie es der Protagonistin ihres Films geht. Sie muss feststellen – nicht gut.   

Sorge um die Gesundheit von Napuli Langa

Selbst aus zehn Metern Entfernung erkennt man, wie sehr Napuli Langa nach fünf Tagen auf dem Baum leidet. Ihre Bewegungen sind langsam, man fürchtet, sie könne jeden Moment abstürzen. Am Fuß der Platane, direkt hinter einem Sprungtuch, steht die grüne Bezirksabgeordnete Canan Bayram. Viele Flüchtlinge sehen in ihr eine Fürsprecherin des Protestes. Die Politikerin wirkt beunruhigt, redet auf Napuli Langa ein, will sie zur Aufgabe bewegen. Auch der Verlobte der Aktivistin ist da, er kann nicht still stehen, geht unter der Platane auf und ab.     

Dann kommt plötzlich Bewegung in die Szenerie. Feuerwehrmänner tragen eine Leiter heran und lehnen sie an die Platane. Ein Mann in Zivil steigt empor und bietet Napuli Langa seine Hand als Stütze. Sie ergreift die Hand, klettert um einen Ast herum und steht dann auf der Leiter. Ihre Ohrringe funkeln rot und grün im Scheinwerferlicht. Die Menschen auf dem Platz applaudieren. Dann ist sie unten.  

In eine Wolldecke gehüllt wird sie zum Krankenwagen gebracht und ins Krankenhaus gefahren. Um 22:30 Uhr hat Napuli Langa den Ort verlassen – damit ist das Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz, das vor eineinhalb Jahren eingerichtet wurde, vollständig geräumt.