Im letzten Moment hat eine Frau im Iran die Hinrichtung eines Verurteilten verhindert. So zeigen es jedenfalls Bilder, die die iranische Nachrichtenagentur Isna veröffentlicht hat. Umrundet von Schaulustigen, führen Henker den Todeskandidaten zur Schlinge. Als er auf dem Stuhl steht und das Seil um seinem Hals liegt, tritt eine Frau hinzu und schlägt den Mann auf die Wange. Dann sagt sie, sie verzeihe ihm.

Der Mann ist ein verurteilter Mörder. Vor sieben Jahren hatte er einen 17-Jährigen in einem Kampf getötet. Die Frau, die ihm verziehen hat, ist die Mutter des Getöteten. 

Isna hat das Geschehen als Fotostrecke veröffentlicht, die Bilder der dramatischen Szene verbreiteten sich schnell im Netz. Hinrichtungen sind im Iran oft öffentlich, die Begnadigung in letzter Minute ist jedoch selten. Somit ist der Vorgang nahezu einzigartig. Die Gerichtsbarkeit in dem Land folgt dem Prinzip: Auge um Auge. Nur die Familie des Opfers kann die Vollstreckung eines Todesurteils verhindern.

Die BBC hat einige der Reaktionen auf die Fotos analysiert. Viele bezeichneten die Vergebung durch die Mutter als ehrenhaft, mutig und bewegend, schreibt die BBC-Korrespondentin. Viele bezögen sich auf den Einspruch eines bekannten Fußball-TV-Kommentators, der seine Zuschauer aufgerufen hatte, eine Begnadigung zu unterstützen. Sein Aufruf hatte demnach allein während der Sendung mehr als eine Million Postings nach sich gezogen.

Iran ist nach China das Land mit den meisten Hinrichtungen. Oft stoßen die Urteile in dem schiitischen Staat international auf Kritik, wie etwa die Hinrichtung eines zur Tatzeit Minderjährigen vor gut einem Jahr.