Zwei Tage nachdem vor der Südwestküste des Landes eine Fähre mit 485 Menschen an Bord gekentert ist, befindet sich Südkorea weiter im Schockzustand. Unter den Passagieren waren 325 Schüler, die auf Klassenfahrt zur Ferieninsel Cheju unterwegs waren. Bislang konnten 179 Menschen gerettet werden, die anderen werden weiter vermisst. 25 Tote wurden bislang entdeckt.

Es ist außerdem schwierig, den Schiffskörper zu bergen. 555 Helfer, 166 Boote und 29 Flugzeuge sind mittlerweile im Einsatz, wie südkoreanische Medien berichten. Um den Rumpf aus dem Wasser zu ziehen, werden drei Kranschiffe gebraucht, die bald am Unglücksort eintreffen sollen. Doch solange unklar ist, ob es in dem Schiffsbauch noch Überlebende gibt, so heißt es, können die Kräne nicht zum Einsatz kommen – sie könnten Passagiere in Gefahr bringen.  

Inzwischen verdichten sich die Indizien, dass ein abruptes Wendemanöver das Schiff zum Sinken brachte. Das haben Medienberichten zufolge erste Auswertungen der überlebenden Schiffsbesatzung ergeben. Verdächtigt wird offenbar ein junger, unerfahrener Matrose. Er soll das Fährschiff gesteuert haben und nicht der 60-jährige Kapitän Lee Jun Seok, der 40 Jahre Berufserfahrung hat. Der Matrose sei erst seit einigen wenigen Monaten auf der Fähre Sewol gewesen, berichtet die Zeitung Hankyoreh-Shinmun.

Der Kapitän des Schiffes befindet sich nach einem Krankenhausaufenthalt mittlerweile in Untersuchungshaft. Er gehörte zu den ersten, die von dem sinkenden Schiff gerettet wurden – gemeinsam mit 17 der insgesamt 29 Crewmitgliedern. In den sozialen Netzwerken Südkoreas kursiert inzwischen das Foto des Kapitäns. User kommentieren wütend, wie der Mann seine Passagiere so im Stich lassen konnte.

Inzwischen glauben viele, es hätte mehr Überlebende gegeben, wenn die Crew den Menschen auf dem sinkenden Schiff nicht die Anweisung gegeben hätte:  "Bleiben Sie in den Kabinen!"

Viele Südkoreaner ärgern sich in diesen Tagen auch über das zynisch anmutende Verhalten ihrer Präsidentin, weiterer Politiker und den Medien. So ließ sich Präsidentin Park Geun Hye mit einem sechsjährigen Mädchen ablichten, das gerade ihre Eltern bei dem Schiffsunglück verloren hatte und selbst im Krankenhaus behandelt worden war. "Die Präsidentin tröstet das sechsjährige Mädchen Gwon Jin-Young, das seine Eltern verloren hat", betitelte die regierungsfreundliche Zeitung Chosun Ilbo das Bild.

Schon vorher war die Präsidentin von den sozialen Netzwerken verspottet worden, als sie zum Unglücksort eilte und in die Fernsehkameras sagte: "Ich konnte nicht still zu Hause sitzen, weil ich mir große Sorgen mache. Warum aber können die Kinder nicht gerettet werden, obwohl sie Rettungswesten anhaben?"

"Ihr ist scheinbar entgangen, dass die Vermissten im Schiffswrack gefangen sind", kommentierten die User: "Obwohl sie doch die Geschehnisse genaustens verfolgt haben will."