Überlebende des Fährunglücks vor der Küste Südkoreas werfen der Crew der Sewol vor, keine koordinierten Evakuierungsmaßnahmen angeordnet zu haben. Nach dem die Fähre vermutlich einen Felsen gerammt hatte, habe es eine Durchsage gegeben, wonach die Passagiere warten und sich nicht vom Fleck bewegen sollten, berichtet ein Überlebender. Weitere Anweisungen – etwa zu einer Evakuierung – habe es nicht gegeben.

Auch weitere Aussagen von Überlebenden werfen Fragen zum Verhalten der Crew auf. Nach dem Schlag "wurde durchgesagt, dass die Leute an Ort und Stelle bleiben sollten", sagte die Passagierin Cha Eun Ok. "Aber wer blieb, saß in der Falle." Andere Überlebende berichten, dass ihnen gesagt wurde, sie sollten ins Wasser springen.

Durch den Untergang der Fähre vor Südkorea könnten fast 300 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter viele Schüler. Etwa 280 der 459 Passagiere wurden bis zum späten Mittwochabend (Ortszeit) noch vermisst. Das teilte der Krisenstab des Ministeriums für Sicherheit und Öffentliche Verwaltung mit. 174 Menschen seien gerettet worden. Die Helfer rechneten kaum damit, dass es noch mehr Überlebende gibt. Sie befürchteten, dass zahlreiche Passagiere im Inneren des Schiffs eingeschlossen wurden.

Offiziell bestätigt wurde bislang der Tod von sechs Menschen. Bei ihnen soll es sich um eine Schiffsangestellte und drei Schüler handeln, von zwei weiteren Opfern ist die Identität bislang unklar. Mehr als 50 wurden verletzt. Aufgrund der Wassertemperatur von zwölf Grad und der Meerestiefe seien die Überlebenschancen für die Vermissten sehr gering, zitierte die Zeitung The Korea Herald die Einsatzkräfte. 

Die Ursache des Unglücks ist noch immer unklar, möglicherweise lief das Schiff auf einen Felsen auf. Auch ein Motorschaden wurde nicht ausgeschlossen. Der koreanische Rundfunksender KBS berichtet unter Berufung auf einen Mitarbeiter der Küstenwache, das Schiff sei aus noch ungeklärten Gründen möglicherweise außerhalb der normalen Route gefahren. Viele Beobachter halten die Kollision mit einem Felsen für wahrscheinlich – dazu würden die Berichte vieler Überlebender passen. Gerettete Passagiere berichteten von einem lauten Schlag, bevor das Schiff Schlagseite bekommen habe.    

Auch ein Schüler berichtete dem Kabelsender YTN von einem lauten Schlag: "Ich hörte ein laut pochendes Geräusch, bevor das Schiff stoppte", sagte er. Nach dem Sprung ins Meer sei er zusammen mit anderen zu einem Rettungsboot geschwommen, berichtete ein anderer Schüler.

Präsidentin Park Geun Hye äußert sich "tief bestürzt"

Nachdem die Besatzung um etwa 9 Uhr einen Notruf abgesetzt hatte, lief eine großangelegte Rettungsaktion an, an der sich auch Fischerboote beteiligten. Starke Strömung und schlechte Sicht unter Wasser behinderten die Rettungsarbeiten. Mehr als 100 Schiffe und Flugzeuge hätten das Gebiet um die Unglücksstelle abgesucht, die rund 20 Kilometer vor der Insel Chindo lag, berichtete eine südkoreanische Nachrichtenagentur. Staatspräsidentin Park Geun Hye sagte, sie sei "tief bestürzt" über das Unglück und drängte wegen der heranbrechenden Nacht zur Eile.

Bei den Todesopfern handelte es sich den Angaben zufolge um eine Angestellte des Schiffsbetreibers und zwei Schüler. Über die Identität des vierten Toten lagen zunächst keine Angaben vor. Die Schüler gehörten zu einer Ausflugsgruppe des Danwon-Colleges aus der Seouler Vorstadt Ansan. 

Auf dem Schiff waren nach jüngsten Angaben des Krisenstabs 459 Menschen – anfangs war von mehr als 470 die Rede gewesen. Auch hatten die Behörden kurz nach dem Untergang zunächst von etwas mehr als 100 Vermissten gesprochen. Die Zahl habe aufgrund von Fehlberechnungen korrigiert werden müssen, hieß es dann. Die Sewol war auf dem Weg von Inchon auf die südliche Ferieninsel Cheju gewesen.