Mehr als 24 Stunden nach dem Untergang einer Fähre vor der südkoreanischen Küste behindern starke Strömung, Regen und schlechte Sicht die Suche nach den immer noch fast 290 Vermissten. Neun Tote, darunter drei Schüler und zwei Lehrer, wurden bislang geborgen, rund 160 Menschen lebend gerettet.

Unter den Angehörigen wächst die Verzweiflung. Überlebende und Einsatzkräfte befürchteten, dass viele der Vermissten im Inneren des Schiffs eingeschlossen worden sein könnten und dass daher die Opferzahl noch drastisch steigt. Eltern versammelten sich in der Schule ihrer Kinder in der Nähe von Seoul und in Mokpo im Süden Landes, nicht weit entfernt von dem Ort, an dem die Fähre sank.

Mit Flutlicht suchten die Boote der Marine und der Küstenwache auch die Nacht über weiter nach möglichen Überlebenden. Mehr als 400 Rettungskräfte waren im Einsatz, um nach den Vermissten zu suchen, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Innerhalb von zwei Tagen sollen Kranschiffe am Unglücksort eintreffen, um bei der Bergung der gekenterten Fähre zu helfen. Taucher hätten die ganze Zeit versucht, in das Schiff zu gelangen. Wegen der starken Strömung sei das aber nicht möglich gewesen. Der Sprecher der Küstenwache zeigte sich wenig hoffnungsvoll, noch Überlebende zu finden. Die Chancen lägen bei "fast Null", sagte er.

An Bord der Fähre Sewol befanden sich nach Behördenangaben 475 Menschen, darunter 325 Schüler zwischen 16 und 17 Jahren und ihre 15 Lehrer, die auf einem Ausflug nach Jeju waren. Das Schiff war am Mittwochmorgen noch etwa drei Stunden von Jeju entfernt, als es sich plötzlich zur Seite neigte und zu sinken begann. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist weiter unklar. Die Küstenwache vernahm den Kapitän und Besatzungsmitglieder.

Kapitän hat keine Erklärung

Der Kapitän der Fähre, Lee Joon Seok, sagte der Zeitung Dong A Ilbo, die Fähre sei "plötzlich gesunken" und er wisse nicht, weshalb. Er habe keinen Felsen gerammt.

Der Passagier Kim Seong Mok sagte dem Sender YTN, er sei sich sicher, dass viele Menschen in dem weitgehend untergetauchten Schiff gefangen seien. Er sei beim Frühstück gewesen, als er gefühlt habe, wie die Fähre gekippt sei. Dann habe er gehört, wie das Schiff gegen etwas gestoßen sei. Es habe eine Durchsage gegeben, die Ruhe zu bewahren, aber einen Aufruf, sich in Sicherheit zu bringen, habe er nicht gehört, sagte er.

Die Fähre wurde laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap 1994 in Japan gebaut. Sie konnte 921 Menschen, 180 Fahrzeuge und 152 Container transportieren.