Mogge: Nach wie vor erhalten wir verhältnismäßig wenige Spenden für unsere Arbeit in Syrien. Das geht auch anderen Organisationen so.  Im vergangenen Jahr haben wir knapp 600.000 Euro für unsere Arbeit in Syrien erhalten. Wenn wir das Leid der syrischen Bevölkerung sehen, würden wir uns mehr Spendenbereitschaft wünschen.

ZEIT ONLINE: Und wie erklären sie sich das?

Mogge: Weil die Krise kompliziert ist und nicht einfach zu vermitteln ist. Gerade in Syrien gibt es viele Akteure, bei denen unklar ist, welche Interessen sie verfolgen. Anders als bei Naturkatastrophen sind viele Spender bei bewaffneten Konflikten unsicher, ob ihr Geld überhaupt ankommt. Doch wer bedürftig ist, hat Hilfe verdient. Viele Kinder in Syrien sind seit drei Jahren mangel- oder unterernährt. Unsere Mitarbeiter berichten schreckliche Dinge.

ZEIT ONLINE: Es ist ja extrem aufwendig, Hilfsgüter nach Syrien zu bekommen. Wie viel Geld können Sie wirklich für die Hilfsgüter ausgeben, wie viel geht für die Organisation drauf?

Mogge: Wir beziehen die meisten Lebensmittel im Süden der Türkei, um die Transportwege möglichst kurz zu halten. In der Türkei beschäftigen wir mehrere Logistiker.

ZEIT ONLINE: Das Flüchtlingshilfswerk der UN zählt mittlerweile über 2,6 Millionen Menschen, die aus Syrien geflohen sind, und das sind nur die registrierten Flüchtlinge. Allein im Libanon leben über eine Million Flüchtlinge, in der Türkei fast 700.000 - und Schätzungen gehen weit über diese Zahlen hinaus. Wie belastet das die Nachbarländer?

Mogge: Zunächst: Die Türkei leistet wirklich sehr gute Arbeit. Die Flüchtlingscamps sind in gutem Zustand. Trotzdem ist es für eine Grenzregion schwierig, mit einem Flüchtlingsstrom dieses Ausmaßes umzugehen. Gerade im Osten gibt es kleinere Orte, in denen auf der Straße mittlerweile mehr arabisch als türkisch gesprochen wird. Da drohen Konflikte. Die syrischen Flüchtlinge brauchen ja auch ein Einkommen, um zu überleben. Die Nachbarländer müssen sie nun quasi integrieren. Wir müssen den syrischen Kindern und Jugendlichen daher möglichst schnell helfen, damit sie eine Schule besuchen oder eine Ausbildung beginnen können.

ZEIT ONLINE: Deutschland ringt derweil darum, ob es nun 10.000 Syrer oder doch ein paar mehr aufnehmen soll. Ist das fair?

Mogge: Meine private Meinung ist: Deutschland könnte sehr viel mehr tun und auch mehr Flüchtlinge aufnehmen. Gerade wenn man sieht, was beispielsweise die Türkei im Vergleich leistet.

ZEIT ONLINE: Aber das Ziel sollte doch sein, dass die Flüchtlinge auch wieder in ihr Land zurückgehen können. Ist es da nicht sinnvoller, sich in den Grenzländern um sie zu kümmern statt irgendwo im weit entfernten Deutschland?

Mogge: Wenn ich den Eindruck hätte, dass sich eine politische Lösung abzeichnet, dann würde ich sagen: Die Flüchtlinge können in der Region bleiben. Doch im Augenblick erscheint eine politische Lösung relativ aussichtslos. Stattdessen halten sich die verschiedenen Kriegsparteien gegenseitig in Schach. Ich kann zurzeit leider keinen Weg zu einer politischen Lösung sehen.