Manfred von Richthofen, früherer Sport-Spitzenfunktionär, ist tot. Der ehemalige Chef des deutschen Sportbundes (DSB) starb im Alter von 80 Jahren, wie der Landessportbund (LSB) in Berlin mitteilte. "Der deutsche und der Berliner Sport verlieren eine bedeutende Persönlichkeit, der wir viel zu verdanken haben",  sagte LSB-Präsident Klaus Böger

DOSB-Präsident Alfons Hörman sagte: "Besonders für das Thema Breitensport/Sportentwicklung stand er wie kaum ein Zweiter. Er hat für den Sport in seiner gesellschaftspolitischen und sozialen Bedeutung wichtige Weichen gestellt." Der Neffe des als "Roter Baron" bekannten gleichnamigen Jagdfliegers aus dem Ersten Weltkrieg hatte sich vor einigen Monaten bei einem Sturz verletzt.

Von Dezember 1994 bis Mai 2006 führte Richthofen den DSB an. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass sich der Dachverband des deutschen Sports und das Nationale Olympische Komitee zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vor acht Jahren zusammenschlossen. Schließlich wurde Richthofen Ehrenpräsident des DOSB.

Von der Schule zur Sportpolitik

Im Februar dieses Jahres hatte der frühere Sport-Spitzenfunktionär seinen 80. Geburtstag gefeiert. Schon früh wollte der frühere Hockeyspieler- und Trainer sein Hobby sowie sein politisches Engagement und Interesse miteinander verbinden. Seine Sportpolitik-Karriere begann er schließlich 1967 als Präsidiumsmitglied beim LSB in der damals noch geteilten Hauptstadt.

Der ursprünglich am Berliner Canisius-Kolleg als Lehrer tätige Richthofen machte die Sportpolitik schließlich zu seinem Hauptberuf und stieg zum Sportdirektor beim LSB auf, den er von 1985 bis 2000 als Präsident führte.

Auch überregional spielte Richthofen eine entscheidende Rolle: Ab 1974 übte er beim DSB als stellvertretender Vorsitzender des Bundesausschusses Leistungssport eine wichtige Funktion im bundesdeutschen Sport aus. Ab 1981 war er zudem Unterhändler in der Ost-West-Verhandlungskommission, die Sport-Kalendergespräche mit Vertretern des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR führte.  

Zusammenführung von Ost und West

1990 wurde Richthofen zum DSB-Vizepräsidenten gewählt und war somit unter dem damaligen Verbandspräsidenten Hans Hansen entscheidend an der Zusammenführung des Sports der einstmals beiden deutschen Staaten beteiligt. Zudem setzte er sich intensiv mit den Stasi-Verstrickungen und der juristischen Aufarbeitung des Dopings im DDR-Sport auseinander.

Bis zuletzt verfolgte Richthofen die Sportpolitik und behielt seine Meinung nicht für sich. Vor allem zu Olympia hatte er immer wieder etwas zu sagen. Er bekomme heftige Bauchschmerzen, geradezu Krämpfe, wenn er darüber nachdenke, wie die Austragungsorte der Olympischen Spiele ausgewählt werden und wie die Mehrheiten zustande kommen. "Da sind wohl einige bestochen worden", mutmaßte der Funktionär.