Im Fall der jüngsten Gruppenvergewaltigung in Indien hat die Polizei Ermittlungen gegen fünf Verdächtige eingeleitet. Drei Männern wird Mord und Vergewaltigung vorgeworfen, sagte der Polizeichef des Bezirks Budaun. Außerdem wurden zwei Polizisten festgenommen, die die Täter gedeckt haben sollen: "Die fünf sind die Hauptverdächtigen des Verbrechens." Zwei weitere Verdächtige würden festgenommen, sobald Ermittlungsdetails vorlägen.

Der Polizei zufolge wurden die Mädchen nach der Vergewaltigung lebendig an einem Baum aufgehängt. Die Leichen der Cousinen, die nach Angaben der BBC 14 und 15 Jahre alt waren, wurden am Mittwoch in einem Dorf im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh gefunden. Nach ersten Ermittlungen hatte die Polizei zunächst behauptet, dass die Mädchen sich das Leben genommen hätten.

Wie einer der Väter berichtete, waren die beiden Mädchen auf ein Feld gelaufen, weil es in ihrem Haus keine Toilette gab. Sein Bruder habe Schreie gehört, und sei zu dem Feld gerannt, so der Vater weiter. Dort vergewaltigten fünf Männer die Mädchen. Da die Gruppe ihm angedroht habe, ihn zu erschießen, sei der Mann geflohen.

Die Familien hatten die Cousinen am Vorabend als vermisst gemeldet und die Polizei alarmiert, die zunächst jedoch nichts unternahm; die Beamten hätten sich geweigert, den Mädchen zu helfen, nachdem sie erfahren hätten, dass sie einer unteren Kaste angehörten, sagte der Vater: "Sie hätten zwei junge Leben retten können. Warum bedeutet die Kaste hier alles?"

Die Familien der Opfer gehören den Dalits an, der ehemals untersten Kaste der indischen Gesellschaft, den "Unberührbaren". Die mutmaßlichen Täter sollen einer höheren Kaste angehören.

Die Regierung bietet Geld als Entschädigung

Der Vater eines der ermordeten Mädchen lehnte das Angebot einer Zahlung der Regierung in Höhe von 500.000 Rupien (rund 6.220 Euro) ab. "Ich brauche keine Entschädigung, ich will Gerechtigkeit für meine Tochter", sagte er dem Sender NDTV. "Sie haben meine Tochter aufgehängt, ich will, dass die Täter auch hängen."

Nach Angaben der Polizei benannten die Angehörigen fünf Verdächtige, die nun alle gefasst wurden. Derzeit liefen Untersuchungen, ob noch mehr Menschen in die Verbrechen verwickelt seien. Mehrere Beamte wurden vom Dienst suspendiert. Zwei Polizisten wurden festgenommen, weil sie nicht auf die Vermisstenmeldung reagiert hatten und möglicherweise den Tätern Beihilfe leisteten.

Im Dezember 2012 hatte der Fall der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu-Delhi weltweit für Empörung gesorgt und in Indien Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen in der indischen Gesellschaft ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltigung verschärft.