Vier Wochen nach der Entführung von fast 300 Schülerinnen in Nigeria schalten sich immer mehr Länder in die Suche nach den Mädchen ein. Nachdem die USA, Großbritannien und Frankreich bereits Experten nach Nigeria entsandten, schlug Frankreichs Präsident François Hollande ein Gipfeltreffen afrikanischer Staatschefs zur Bedrohung durch die Islamistengruppe Boko Haram vor.

Gemeinsam mit Nigerias Präsident Goodluck Jonathan habe er ein Treffen der Nachbarländer Nigerias zur Sicherheit in Westafrika angeregt, sagte Hollande. Dieses solle am kommenden Samstag in Paris stattfinden, "wenn die Länder zustimmen". Nach Angaben aus dem Umfeld des französischen Präsidenten sollen Vertreter aus Nigeria, dem Tschad, Kamerun, Niger und Benin an dem Gipfel teilnehmen.

Auch Israel bot Nigeria Unterstützung an. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich nach Angaben seines Büros "zutiefst schockiert über das Verbrechen an den Mädchen". Israel sei bereit, Nigeria bei der Suche nach den Mädchen und "im Kampf gegen den brutalen Terror" zu helfen. Nigerias Präsident Jonathan nahm das Angebot nach Angaben des Präsidialamtes in Lagos an. Nigeria würde es begrüßen, wenn Israel sein "Fachwissen im Kampf gegen Terrorismus" bei der Suche nach den Schülerinnen einsetze, sagte ein Sprecher.

Kämpfer der Islamistengruppe Boko Haram hatten Mitte April eine Schule in der Stadt Chibok im Nordosten Nigerias überfallen und 273 Schülerinnen verschleppt. Vor einer Woche entführte die Gruppe elf weitere Mädchen. Einigen Mädchen gelang zwar die Flucht, doch gelten noch immer 223 als vermisst. Der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau hatte in einem Video angekündigt, die Mädchen zwangsverheiraten oder versklaven zu wollen.

Eine der wenigen Schülerinnen, denen die Flucht gelang, erklärte in einem Telefoninterview, dass weitere Mädchen hätten fliehen können – die Entführer hätten jedoch damit gedroht, sie zu erschießen. Es tue ihr sehr weh, dass andere Schülerinnen nicht den Mut aufbringen konnten, mit ihr zu fliehen, wird Sarah Lawan im britischen Guardian zitiert. Sie müsse immer weinen, wenn sie deren trauernden Eltern über den Weg laufe.

Lawan bestätigte Berichte, nach denen die Entführer die Mädchen zwangsverheiraten wollen. Sie habe nun große Angst, in die ausgebrannte Schule zurückzukehren. Sollte sie dazu aufgefordert werden, bliebe ihr jedoch keine andere Option, da sie ihren Abschluss machen müsse.

"Es wird keine leichte Aufgabe"

Die USA und Großbritannien schickten inzwischen Polizei- und Militärexperten nach Nigeria, um bei der Suche nach den Mädchen zu helfen. Auch Frankreich schickte am Samstag ein Expertenteam nach Nigeria. Die nigerianische Regierung war unter starken internationalen Druck geraten, weil sie nur zögerlich auf die Entführung reagiert hatte.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel zeigte sich derweil wenig optimistisch für die Suche nach den Mädchen: "Das wird sehr schwierig. Es ist ein riesiges Land. Es wird keine leichte Aufgabe", sagte Hagel dem Fernsehsender ABC. Er versprach, die USA würden sämtliche zur Verfügung stehenden Mittel einbringen, um der nigerianischen Regierung zu helfen.

Die Islamisten von Boko Haram, die auch als Taliban Nigerias bezeichnet werden, verüben seit 2009 immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Etwa 1.500 Menschen wurden bei Angriffen allein in diesem Jahr getötet. Ziel von Boko Haram ist die Errichtung eines islamistischen Staates im Norden Nigerias.