Die katastrophalen Überschwemmungen in Serbien Mitte Mai gehen möglicherweise auch auf falsche Entscheidungen der Behörden zurück. Wie die Belgrader Tageszeitung Blic berichtet, wurde die Kleinstadt Obrenovac überflutet, nachdem das staatliche Wasserwirtschaftsunternehmen eine falsche Sprengung ausgelöst hatte. "Sie sprengten eine Straße und versenkten die Stadt", titelt Blic. Während der Überschwemmungen in Serbien ertranken 24 Menschen, die meisten Opfer gab es in Obrenovac.

Die Flut hatte vor zwei Wochen weite Teile der Stadt zerstört. Der Schaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge landesweit auf zwei Milliarden Euro.


Regierungsnahe Zeitungen veröffentlichten Meinungsumfragen, in denen sich die Bürger äußerst zufrieden mit dem Krisenmanagement der Behörden zeigen. Kritische Stimmen im Internet hatten dagegen vor allem Regierungschef Vučić schwere Versäumnisse und Panik vorgeworfen. Dutzende Blogs und kritische Beiträge wurden daraufhin zwangsweise vom Netz genommen. Der staatliche Bürgeranwalt und die Journalistengewerkschaft sprachen von Zensur. 

Derweil hat die Verteilung der Hilfsgelder aus dem Ausland begonnen. Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vučić hat das Management der Gelder Marko Blagojevic übertragen, ein bekannter Meinungsforscher. Die Zeitung Danas kritisierte diese Bestellung eines Laien, die außerhalb der Institutionen getroffen worden sei. "Es herrscht der Eindruck, dass ein Mann über alles entscheidet. Wie nennt man das?", schrieb Danas in Anspielung auf die uneingeschränkte Macht des Regierungschefs.