Das Urheberrecht von einem spirituellen Text liegt auch dann beim Verfasser, wenn dieser den Inhalt im Rahmen einer göttlichen Eingebung erhalten hat. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Ende eines Prozesses entschieden.  

Im Rechtsstreit ging es um den Text einer US-amerikanischen Professorin für Psychiatrie aus dem Jahr 1975. Die Frau hatte angegeben, der Text sei ihr in aktiven Wachträumen von Jesus eingegeben und von ihr aufgezeichnet worden.

Ein deutscher Verein hatte Passagen aus dem Buch übernommen und darauf verwiesen, die Verfasserin habe selbst angegeben, nicht die Urheberin zu sein. Der Professorin sei "bei der Entstehung der Schrift lediglich die Rolle einer Gehilfin oder Schreibkraft ohne jeden individuellen persönlichen Gestaltungsspielraum" zugekommen, argumentierte der Verein.

Wie schon das Landesgericht folgte auch das OLG dieser Argumentation nicht und stellte einen Urheberrechtsverstoß fest: Jenseitige Inspirationen seien nach allgemein vertretener Auffassung rechtlich uneingeschränkt ihrem menschlichen Empfänger zuzurechnen. Für den Urheberschutz komme es auf den tatsächlichen Schaffensvorgang an. Auch Geistesgestörte und Hypnotisierte könnten Urheber sein.

Der Verein kann die Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof anfechten.