Die Gruppenvergewaltigung und Ermordung zweier Mädchen im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh hat zahlreiche wütende Bürger auf die Straße getrieben. Vor dem Sitz der Regionalregierung in Lucknow versammelten sich mehrere Hundert Demonstranten – die meisten von ihnen Frauen. Sie forderten mehr Schutz für Frauen und Gerechtigkeit für die Opfer. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menschenmenge auseinanderzutreiben.

Ein Demonstrant sagte im Fernsehsender NDTV: "Wir werden hier bleiben, wir werden nicht aufgeben, selbst wenn das Wasser knapp ist." Ein anderer Mann sagte mit Blick auf die Misshandlungen von Frauen und Mädchen: "Wir werden nicht schlafen, wir werden bleiben, das muss aufhören."

Im Dorf Katra Shahadatganj in Uttar Pradesh waren vergangene Woche die an einem Mangobaum hängenden Leichen zweier Frauen gefunden worden. Die zwölf und 14 Jahre alten Cousinen waren mehrfach vergewaltigt und dann aufgehängt worden. Die Polizei ermittelt gegen fünf Verdächtige, darunter zwei Polizisten, welche die mutmaßlichen Täter gedeckt haben sollen.

UN fordern Gerechtigkeit für Frauen

Die Mädchen waren angegriffen worden, als sie im Dunkeln zu einem Feld gingen, weil es in ihrem Haus – wie in vielen Häusern der Region – keine Toilette gab. Sie gehörten den Dalit an, der untersten Kaste der indischen Gesellschaft.

Die Koordinatorin der Vereinten Nationen in Indien, Lisa Grande, forderte "Gerechtigkeit für die Familien dieser beiden Teenager und für die Frauen und Mädchen aus unteren Kasten, die im ländlichen Indien zur Zielscheibe werden und vergewaltigt werden".

Die Ministerin für Frauen und Kinder in der Regierung des neuen indischen Premierministers Narendra Modi, Maneka Gandhi, sagte, die Polizei müsse stärker für das Thema sensibilisiert werden. "Ich denke, die Polizei hat eine sehr große Verantwortung, eine große Rolle in Fällen von Verbrechen gegen Frauen", sagte sie. Außerdem kündigte sie den Bau von Toiletten als eine der Prioritäten der Regierung Modi an.

Im Dezember 2012 hatte die tödliche Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin aus Neu Delhi in Indien Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltigung verschärft – so steht etwa auf Vergewaltigung mit Todesfolge die Todesstrafe.

Sexualverbrechen bis heute nicht ernsthaft geahndet

Frauenrechtlern zufolge werden Sexualverbrechen jedoch gerade in Uttar Pradesh bis heute nicht ernsthaft geahndet. Der Chef der in dem Bundesstaat regierenden Partei, Mulayam Singh Yadav, hatte während des jüngsten Wahlkampfes für Empörung gesorgt, als er sich mit den Worten "Männer sind Männer" gegen die Todesstrafe für Vergewaltiger aussprach. Vergangene Woche kanzelte sein Sohn Akhilesh Yadav, Regierungschef des Bundesstaates, die Frage einer Journalistin zu den wiederholten Vergewaltigungen in Uttar Pradesh mit den Worten ab: "Sie sind nicht angegriffen worden, oder? Stimmt das? Sehr gut, danke."

Die beiden Politiker wurden dafür kritisiert, dass sie nach der Tat nicht das Dorf der misshandelten Mädchen aufgesucht hatten. Der Unmut verschärfte sich, nachdem die Familie der Opfer berichtete, die Polizei habe den Mädchen aufgrund von deren Zugehörigkeit zu einer unteren Kaste nicht helfen wollen.